Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Innovation – Stahlo

Cleverer Schachzug in Richtung Osten

Expansion. Mit einer Übernahme baut die Friedhelm Loh Group ihre Stahlkompetenz aus. Vor allem die Märkte Osteuropas sollen künftig stärker in den Fokus rücken.

Text Markus Huneke ––– Fotografie

Wenn Magnus Carlsen am Brett sitzt, spielt er nicht fürs Auge. Keine dramatischen Züge, dafür hoch konzentriert und auf höchstem Niveau. Mit dieser Strategie ist der Norweger seit fünf Jahren amtierender Schachweltmeister. Um den einen Schritt voraus zu sein, kommt es nicht auf spektakuläre Entscheidungen an – sondern darauf, die Stellung zu analysieren und auf dieser Basis zu ziehen.

Einen strategischen bedeutsamen Zug hat die Stahlo Stahlservice GmbH & Co. KG zu Beginn dieses Jahres getan und die Blech-Service Nordhausen GmbH & Co. KG übernommen. Das Unternehmen am Südrand des Harzes hat sich auf die Herstellung von Stahlblechzuschnitten mit bester Oberflächenqualität fokussiert und passt damit hervorragend zur strategischen Ausrichtung von Stahlo. Die Verstärkung folgt einer Strategie. Trotz aller politischen Risiken, die die weltweite Konjunktur derzeit bedrohen, gilt nämlich: Die Wirtschaft in Deutschland brummt.

Gute Aussichten in Deutschland

Die Prognosen sind positiv:

2018

melden die Fahrzeughersteller ein Fünfjahreshoch bei den PKw-Zulassungen 

7%

Plus beim Auftragseingang melden der Maschinenbau.

bis zu 2,3%

Wachstum wird für das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland für kommendes Jahr prognostiziert.

Steigende Nachfrage

Nur eitel Sonnenschein bedeutet dies für Unternehmen allerdings nicht. Zwar sind die Auftragslage und folglich die Auslastung weithin erfreulich. Doch auch das Wachstum birgt seine Risiken. Die große Herausforderung im Stahl-Service besteht in konjunkturell guten Zeiten darin, die wachsende Nachfrage auch bedienen zu können – ohne bei Service, Termintreue und Produktqualität nachzulassen und die Kunden aus den Augen zu verlieren.

Genau hier hat Stahlo nun mit der Investition in den Blech-Service Nordhausen strategisch reagiert und einen starken Partner an Bord geholt. Die Produktionskompetenz des neuen Stahlo Standorts passt bestens zur Ausrichtung des Stahl-Service-Centers. Zum Maschinen- und Anlagenpark von Blech-Service Nordhausen gehören drei Längs- und Querteilanlagen. Gefertigt werden dort nicht nur Standardformate, sondern auch Zuschnitte nach vorgegebener Kundenspezifikation. Hinzu kommen kleine Zuschnitte und Sonderabmessungen, die auf vollautomatischen Scherencentern hergestellt werden.

„Die Übernahme von Blech-Service Nordhausen durch Stahlo ist ein großer Gewinn für beide Unternehmen. Damit können wir unsere durchgängige Fertigungskompetenz im Bereich Blechzuschnitte weiter ausbauen“, erläutert Guido Spenrath, Geschäftsführer von Stahlo, die Vorteile der Akquisition. Das sieht auch die bisherige Eigentümerin Katrin Dietzmann von Blech-Service Nordhausen so, die ihre Erfahrung und Kenntnisse als Geschäftsführerin gemeinsam mit Guido Spenrath weiterhin in das Unternehmen einbringen wird. „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und die Perspektive, mit einem der größten unabhängigen Stahl-Service-Center in Deutschland im Stahlblechmarkt weiter zu wachsen“, so Katrin Dietzmann.

Positive Prognosen

Ein kluger Schachzug ist die Übernahme auch mit Blick auf die osteuropäischen Märkte. Vor allem das direkt benachbarte Tschechien und Polen sind dynamische Märkte mit einer starken Wirtschaft. Bereits heute sind diese Länder wichtige Abnehmerregionen für das Stahl-Service-Center der Friedhelm Loh Group. Mit dem Standort in Gera, an dem Stahlo Anfang 2019 ein komplett neues Werksgebäude mit hochmoderner, vernetzter Fertigung und Logistik in Betrieb nimmt, befinden sich beide Länder quasi direkt vor den Werkstoren.

Ebenso wie in Deutschland sind auch bei den beiden östlichen Nachbarn die konjunkturellen Zeichen positiv. Zwei Zahlen verdeutlichen das: Die Bruttoanlageinvestitionen in Polen sind im vergangenen Jahr um über fünf Prozent auf 82 Milliarden Euro gestiegen. Noch besser sieht es für dieses Jahr aus: Der Durchschnitt der Prognosen sieht ein Wachstumsplus von neun Prozent bei den Bruttoanlageinvestitionen, wie ­Germany Trade & Invest, die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, meldet. Gute Voraussetzungen für Investitionen in stahlintensive Branchen wie den Maschinen- und Anlagenbau sowie in Mobilität.

Die Bedeutung von Tschechien als Wirtschaftsregion zeigt eine weitere Zahl: 2017 überschritt das Handelsvolumen erstmals die 300-Milliarden-Euro-Marke. Über die Hälfte des Volumens entfällt auf Maschinen, Ausrüstung und Fahrzeuge. Das Land ist ein bedeutender Importeur von Vorprodukten – mit steigendem Bedarf. Wichtigster Handelspartner: Deutschland.

Für die Belieferung dieser Märkte hat sich Stahlo sukzessive mit vielen kleineren und größeren Schritten in Stellung gebracht. „Mit dem Blech-Service Nordhausen an Bord gewinnen wir nicht nur neue Kunden, auch unser Wachstum Richtung Osteuropa wird unterstützt“, benennt Guido Spenrath weitere Argumente für den jüngsten strategischen Zug. Genau darin besteht die große Stärke des Schachweltmeisters Magnus Carlsen: sich Partie für Partie, Zug um Zug in eine starke Stellung zu bringen.

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