Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Edge Computing
Praxis – Informationstechnologie

Daten souverän managen

Edge Computing. Digitalisierung der Fabrik auf Knopfdruck. Und dies einfach und sicher – mit nur einer „Box“. Das Edge-Cloud-Rechenzentrum ONCITE hat es in sich. Ertan Mutlu, Chief Sales Officer bei German Edge Cloud, erklärt im Interview, warum.


Text Ulrich Kläsener ––– Fotografie

Herr Mutlu, beim Innovation Champions Award 2020 hat ONCITE in der Kategorie Technologie-Innovation den ersten Platz erreicht. Die Jury hat das Produkt als Leuchtturmlösung für die deutsche Industrie bewertet. Was ist ONCITE?
Hierbei handelt es sich um ein hochverfügbares und flexibel skalierbares fabrikinternes Rechenzentrum. Es besitzt ein echtzeitfähiges Cloud-Stack und ein vorinstalliertes, erweiterbares Portfolio an Anwendungen zum Beispiel für die Verarbeitung und Analyse von Industriedaten. Es steht dort, wo in der digitalen Fabrik immense Datenmengen entstehen: in der Produktion.

Warum gerade da?
Marktforscher schätzen, dass das weltweite Daten­volumen im Jahr 2025 auf 175 Zettabyte ansteigt. 80 Prozent davon werden durch die zunehmende Digitalisierung in Unternehmen erzeugt und ein Drittel dieser Daten wird künftig in Echtzeit verarbeitet werden müssen. In hoch automatisierten Produktionsumgebungen sind die Datenmengen im Regelfall zu groß, um sie unverarbeitet – wie im konventionellen Ansatz – in ein entferntes Rechenzentrum zu übertragen. Außerdem sind die Latenzzeiten der Datenübertragung für Anwendungen, die auf Echtzeitfähigkeit angewiesen sind, zu lang.

ONCITE hingegen steht direkt vor Ort in der Produktion und ermöglicht daher durch die „kurzen Wege“ eine Datenverarbeitung und -analyse in Echtzeit. Die Lösung speichert und verarbeitet Daten nahezu in Echtzeit in der Produktion und harmonisiert die Daten für zum Beispiel KI-basierte Analysen. Es werden die Ansätze der Cloud mit Vorteilen wie Datenschutz, Autonomie, Latenzzeiten und Energiebedarf vereint.

Ersetzt ONCITE bestehende, fabrikinterne IT-Infrastrukturen?
Weniger, auch wenn bereits existierende Software-Anwendungen auf ONCITE migrierbar sind. ONCITE unterstützt die Koexistenz in bereits bestehenden und meist heterogen gewachsenen IT-Landschaften. Sie ist in der Lage, mittels des inkludierten Integration Service zum Beispiel sensorbestückte Maschinen und Anlagen „anzuzapfen“, und füttert mit den Daten die verfügbaren, branchenspezifischen Anwendungen. Die ONCITE-Daten können auch in allen Public- oder Private-Cloud-Systemen weiterverarbeitet werden. ONCITE funktioniert nach dem Plug-&-Produce-Prinzip und ist sofort einsetzbar.

Was macht ONCITE wirklich einzigartig?
Unser Alleinstellungsmerkmal ist nicht eine Teil-Facette, sondern das große Ganze. ONCITE ist eine Komplettlösung für die Verarbeitung und Analyse von Industriedaten am eigenen Produktionsstandort. Unternehmen müssen sich nicht über Monate und Jahre mit verschiedenen Spezialisten für verschiedene Segmente einer Edge-Computing-Appliance auseinandersetzen, sondern erhalten eine Kombination aus voll einsatzbereiter Hardware und Software.

Inzwischen braucht es gerade im Automotive-Segment eine Datenweitergabe an die digitalen Produktionsplattformen der großen Hersteller. Was leistet ONCITE bei der Bereitstellung von Daten nach außen?
Sie spielen auf die Volkswagen Industrial Cloud oder die Open Manufacturing Platform von BMW an. Auf die Forderungen der OEM und Top Tier Supplier, diese Cloud-Plattformen mit validen Daten anzureichern, müssen die Zulieferer natürlich reagieren – unter anderem im Sinne von Tracking und Tracing. Aber doch bitte nach eigenen Regeln. Mit ONCITE kommen Unternehmen der geforderten Datenbereitstellung ohne Weiteres nach, sind und bleiben aber ihr eigener Datensouverän. Sie bestimmen, ob jemand auf die Daten überhaupt zugreifen darf, wer das darf, welche Daten infrage kommen und zu welchem Zeitpunkt der Zugriff erfolgen kann.

Alles über die All-in-One-Edge-Lösung ONCITE finden Sie unter oncite.io

Was muss ein Produzent werksseitig an IT vorhalten, wenn er ONCITE einsetzen will?
Das kommt ganz auf den Zweck der Anwendung an. Wir beraten individuell vor der 15- bis 30-tägigen Erstimplementierung und können die Erfordernisse im Detail eruieren. Nach den ersten Schritten kann der Anwender weitere Implementierungen weitgehend selbstständig durchführen.

  • Reallabor auf Edge-Cloud-Basis

    Die German Edge Cloud (GEC) und das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickeln eine offene Forschungsplattform und Testumgebung.

    In dieser können Lösungen für die digitalisierte Produktion erforscht und praxisnah erprobt werden. Die Plattform unter dem Namen Fraunhofer Edge Cloud (FEC) richtet sich als Reallabor an Wissenschaft und Industrie. Sie basiert auf der Edge-Cloud-Technologie von GEC und der International Data Spaces (IDS)-Architektur zum sicheren und souveränen Datenaustausch.
    Der erste Schritt des Projektes ist der Aufbau der Fraunhofer Edge Cloud für rund 20 Institute. Anschließend ist die Nutzung eines ersten verteilten, echtzeitfähigen Edge-Cloud-Netzes bei Fraunhofer geplant. Die Cloud ist ein wichtiger Baustein, um die IT bei Fraunhofer zu standardisieren und zukunftsfähig zu machen.

    Ziel ist es, IT- und Cloud-Kapazitäten variabel zu nutzen und die einfache Skalierbarkeit benötigter IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Storage und Netzkapazitäten sicherzustellen. Gleichzeitig soll sie für Industrie und Forschung eine sichere und datensouveräne Plattform zur Verfügung stellen, um Lösungen für die Produktion einfacher zu evaluieren und zu entwickeln.

    In dem Projekt wird die Edge-Cloud-Appliance ONCITE eingesetzt. Die Plug-&-Produce-Lösung basiert auf einer hochverfügbaren und skalierbaren Edge-Cloud-Technologie in Form eines kompakten Rechenzentrums. Sie macht es möglich, Daten in Echtzeit hochsicher und wertschöpfend nutzbar zu machen. Dabei lassen sich generierte Daten vor Ort verarbeiten und speichern und der Datenaustausch lässt sich mit einer Cloud unterstützen. Dabei behalten Unternehmen die volle Souveränität über ihre Daten. „So können die Fraunhofer-Mitarbeiter komplett selbstständig ihre virtuelle Infrastruktur aufbauen und betreiben. Das Cloud-Framework liefert dafür alle notwendigen Komponenten und Services für Storage, Compute und Software Defined Networking (SDN). Als Feinschliff kommt ein eigens von German Edge Cloud entwickeltes Frontend zum Einsatz, um damit unter anderem den Zugang zur gesamten Plattform zu vereinfachen“, erklärt Dr. Sebastian Ritz, CEO der German Edge Cloud.

     

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