Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Miteinander – Gesellschaft

Zu Besuch bei kleinen Forschern

Bildungsförderung. Im „Haus der kleinen Forscher“ entdecken Kindergartenkinder und Erzieher mit spannenden ­Experimenten die Welt. Das Ziel: Interesse wecken und so den Grundstein für eine lückenlose und lebenslange Bildungs­biografie legen. Die Rittal Foundation unterstützt das Projekt seit Jahren.

Text Rebecca Lorenz ––– Fotografie

Jetzt kommt das Natron, sagt Leonie und blickt konzentriert auf den Rührbecher vor sich. Mit ruhiger Hand misst sie zwei Esslöffel des Pulvers ab und gibt sie hinein. Noch ein wenig rote Lebensmittelfarbe, ein Spritzer Seife, dann füllt das Mädchen die Mischung in einen kleinen Pappmaschee-Vulkan und greift zur Pipette. „Mal sehen, ob das Experiment funktioniert.“ Und tatsächlich: Schon nach wenigen Tropfen Essig spuckt der künstliche Vulkan Lava. Ungläubig zeigt die Sechsjährige auf die sprudelnde rote Flüssigkeit. „Da, es klappt!“ Als der Strom versiegt ist, wendet sie sich aufgeregt an die Erzieherin. „Darf ich noch mal?“ Experimente wie dieses gehören in der evangelischen Kindertagesstätte in Herborn-Schönbach zum Alltag. „Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie beschäftigen sich stundenlang mit dem, was sie in ihrer Umwelt entdecken. Man muss ihnen nur die Möglichkeit dazu geben“, erläutert Christine Michels, Leiterin der Kindertagesstätte. Allein durch Beobachten, Anfassen und Ausprobieren kommen Kinder so selbst komplexen Phänomenen wie chemischen Reaktionen, Aggregats­zuständen und der Schwerkraft auf die Schliche. „Ganz gleich, ob ein Vulkan ausbricht, Schnee schmilzt oder ein Schal zu Boden fällt: Die Kinder haben jede Menge Fragen – sie wollen verstehen, wie die Welt funktioniert.“

Gemeinsame Entdeckungsreise

Anstatt ihnen die gewünschten Antworten vorzugeben, gehen die Erzieherinnen in Schönbach gemeinsam mit den Kindern auf Entdeckungsreise. „Natürlich hat jedes Kind eigene Interessen und dementsprechend auch einen anderen Wissensstand“, sagt Michels. Doch beim Experimentieren spielt das keine Rolle. „Die Kinder überlegen gemeinsam, besprechen sich und suchen so lange nach einer Lösung, bis das Experiment glückt.“ Auf diese Weise erlangen sie nicht nur ein spielerisches Verständnis von grundlegenden Prinzipien im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT), sondern stärken auch „weiche“ Kompetenzen, die sie ihr Leben lang benötigen – so zum Beispiel Teamfähigkeit, Kreativität, Kommunikations- und Problemlösefähigkeit.
Die Kinder dabei bestmöglich zu unterstützen, das ist die Aufgabe der neun Erzieherinnen in der Kindertagesstätte in Schönbach. Um sie erfüllen zu können, machen Michels und ihre Kolleginnen seit sechs Jahren beim „Haus der kleinen Forscher“ mit. Die gemeinnützige Stiftung setzt sich bundesweit für die Frühbildungsförderung im MINT-Bereich ein. Unterstützt wird sie dabei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie zahlreichen lokalen Netzwerkpartnern. Einer von ihnen: das Mathematikum in Gießen.  

„Wir geben den Erziehern in praxisorientierten Fortbildungen das nötige Rüstzeug an die Hand“, erläutert Lisa Peter, Koordinatorin für das „Haus der kleinen Forscher“ am Mathematikum Gießen. Denn vor allem in Deutschland wird der MINT-Bereich in der Erzieherausbildung immer noch oft vernachlässigt. „Wir möchten den Teilnehmern zeigen, dass sie keine Angst haben müssen. Selbst Themen wie Wasser, Optik und Licht machen Spaß und lassen sich – wenn man sich am Lebensalltag der Kinder orientiert – leicht vermitteln.“ Neben Theorie und Methodik steht bei den Fortbildungen deshalb vor allem das Experimentieren und Ausprobieren im Fokus.

 


„Die Erzieher bekommen natürlich Ideen und Impulse von uns – aber sie sollen auch selbstständig Experimente entwickeln und ausprobieren“, berichtet Melanie Schmidt, ebenfalls Koordinatorin am Mathematikum Gießen. „Mit Abschluss der Fortbildung sollen sie das Gefühl haben, dass sie gemeinsam mit den Kindern alles entdecken und erforschen können, was diese gerade beschäftigt.“ Um dieses hohe Maß an Selbstsicherheit zu erreichen, legen Peter und Schmidt viel Wert auf die gemeinsame Reflexion. Wie lässt sich ein Experiment in den Kita-Alltag einbauen? Für welche Altersgruppen kommt es infrage? Wie lässt es sich für jüngere Kinder adaptieren? Solche und andere Fragen werden dabei diskutiert und beantwortet.
Welche Wirkung diese Hilfestellungen im Arbeitsalltag der Erzieher entfalten, belegt die Erfahrung von Simone Rehr, die als eine von zwei Erzieherinnen der Schönbacher Kindertagesstätte regelmäßig an den Fortbildungen teilnimmt. „Natürlich gibt es Themen, bei denen ich mich unsicher fühle. Die regelmäßigen Fortbildungen geben mir die nötige Sicherheit.“ Hinzu kommt, dass auch der Rest des Teams von den gewonnenen Impulsen profitiert. Denn die Ideen gibt Rehr ganz selbstverständlich an ihre Kolleginnen weiter.

Bestätigte WirksamkeitDoch nicht nur auf die Erzieherinnen, auch auf die Kinder hat das „Haus der kleinen Forscher“ eine nachhaltige Wirkung. „Man merkt, dass das Projekt Früchte trägt, weil die Kinder sehr offen sind und alles hinterfragen“, berichtet Rehr. Statt bei Fragen auf das Wissen der Erwachsenen zurückzugreifen, entwickeln sie eigene Problemlösestrategien. Dabei machen die Kinder die Erfahrung, dass sie mit ihrem eigenen Wissen etwas bewegen können. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein. „Weil die hohe Wirksamkeit des ‚Hauses der kleinen Forscher‘ in zahlreichen Studien und regelmäßigen Qualitätsmonitorings wissenschaftlich belegt wurde, haben wir von der Rittal Foundation vor sechs Jahren entschieden, das Projekt mit regelmäßigen Spenden zu unterstützen“, berichtet Friedemann Hensgen, Vorstandsvorsitzender der Rittal Foundation. Knapp 50.000 Euro hat die Stiftung bislang aufgewendet, um 34 Erziehern aus 17 mittelhessischen Kindertagesstätten die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen des „Hauses der kleinen Forscher“ zu ermöglichen. Mit Erfolg: 13 der geförderten Kindertagesstätten sind mittlerweile vom „Haus der kleinen Forscher“ zertifiziert, vier davon schon zum dritten Mal. Konkret bedeutet das: Sie haben das Forschen nachweislich in den Alltag integriert und legen so den Grundstein für den erfolgreichen Bildungsweg der Kinder.

  • Drei Fragen an

    Drei Fragen an

    Prof. Albrecht Beutelspacher
    Direktor am Mathematikum Gießen

    Weshalb ist die frühe MINT-Förderung wichtig? Kinder sind von Natur aus neugierig und möchten viel wissen. Bei der frühen Förderung im MINT-Bereich hat der vermittelte Stoff – im Gegensatz zur Schule – viel mit der Lebenswelt der Kinder zu tun. Experimente finden sie spannend, denn der Übergang von Neugier, Welterkundung und Forschen ist fließend.

    Weshalb tun sich Erzieher mit der Förderung so schwer? Die Fächer stehen in der Ausbildung nicht im Fokus. Insofern muss man den Erziehern erst bewusst machen, dass sie den Inhalten jeden Tag begegnen – beim Treppensteigen, Einkaufen oder Kochen. Wenn die Erzieher das erkennen, weichen Angst und Unsicherheit der Begeisterung.

    Was ist das Besondere am „Haus der kleinen Forscher“? Es gab schon immer Initiativen zur MINT-Förderung. Kontinuität und Qualität auf diesem hohen Niveau zeichnet das „Haus der kleinen Forscher“ aus. Nicht nur die Erzieher, sondern auch ihre Trainer durchlaufen Weiterbildungen. Deshalb wurde die Qualität über die letzten zehn Jahre sogar gesteigert.

     

„Auch deshalb ist uns das Engagement für das ‚Haus der kleinen Forscher‘ sehr wichtig – denn die Bildungsförderung ist eine unserer wichtigsten Auf­gaben als Stiftung“, erläutert Hensgen. Das belegen auch Projekte wie Hippy (Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund), Amadeus Junior Akademie (musikalische Frühförderung) und die Unterstützung von Sozialarbeit an Schulen. „Wer gleiche Chancen für alle fordert, sollte keine Zeit verlieren, sondern so früh wie möglich mit der Förderung beginnen. Auf diese Weise werden schon in den Kitas die Weichen für Chancengleichheit in der Bildung gestellt.“

Lebenslanges Lernen

Aber nicht nur die Rittal Foundation, auch die hinter ihr stehende Friedhelm Loh Group setzt sich seit Jahren für eine gute Bildung ein. „Ziel der Friedhelm Loh Group ist es, in den Regionen, in denen sie tätig ist, lückenlose Bildungsbiografien zu erreichen“, weiß Hensgen. Denn auch weil sich die Arbeitswelt aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Globalisierung immer schneller wandelt, gewinnt das lebenslange Lernen stark an Bedeutung. Frei nach dem Motto: „Wissen-Können-Tun“ engagiert sich die Unternehmensgruppe deshalb nicht nur für die Ausbildung von Schul- und Studien­abgängern, sondern – mit der unternehmenseigenen Loh Academy – auch für die beständige Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter.

„Das beste Bildungsangebot nützt aber nichts, wenn der Lernende nicht mit ausreichend Interesse und Neugier dabei ist“, stellt Hensgen fest. Weil der Grundstein dafür in der frühen Kindheit gelegt wird, ist das „Haus der kleinen Forscher“ für ihn der alles entscheidende Startpunkt. Deshalb wird das Engagement der Rittal Foundation für das Projekt in diesem Jahr noch einmal ausgeweitet. „Ab sofort gibt es im ‚Haus der kleinen Forscher‘ einen neuen Baustein: Informatik. Damit können wir die Kinder noch besser auf eine digitale Zukunft vorbereiten.“ Auch bei den Erzieherinnen in Schönbach ist das Interesse daran sehr groß. „Ich bin richtig gespannt, was mich beim Seminar erwartet“, stellt Rehr fest. „Denn Programmieren – das habe ich bislang wirklich noch nie gemacht.“

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