Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Innovation – Rittal

Innovation? Ein echter Knochenjob

Interview. „Ab wann können wir den kaufen?“ Das erste Feedback auf den Erlkönig im Rittal Sortiment – den neuen VX25 – ist beeindruckend. Test­anwender sprechen vom besten Schaltschrank, den sie jemals geliefert bekommen haben. be top lotet im Gespräch mit Prof. Dr. Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group, die Hintergründe der jahrelangen Forschungs- und Entwicklungstätigkeit zum VX25 aus.

Text Ulrich Kläsener ––– Fotografie

Sie haben gleichzeitig drei unabhängige Entwicklungsteams an die Entwicklung des neuen Großschranks VX25 gesetzt. Hat sich die Maßnahme bewährt? Wenn ich mir das Entwicklungstempo, die Eigendynamik und die Ergebnisse anschaue: absolut, ja. Auf Basis dieser Arbeiten konnten wir zahlreiche Patente anmelden. Sie wurden entweder im VX25 umgesetzt oder liegen bereit für weitere Innovationen.

Innovation ist der Inbegriff von Veränderung. Das betrifft auch die eigenen Prozesse der Forschung und Entwicklung (F & E). Wie gelingt es Rittal, Denk- und Gewohnheitsblockaden zu überwinden? Zum Beispiel, indem wir uns strikt am gegenwärtigen und zukünftigen Kundennutzen orientieren. Mit welchen Rittal Lösungen können unsere Kunden heute und morgen noch effektiver und letztlich effizienter arbeiten? Das ist doch die alles entscheidende Frage. Dafür ist es notwendig, über den Tellerrand zu blicken.

Das heißt? Dass es am Anfang erst einmal um die wahren Bedürfnisse der weltweiten Kunden geht – und erst ganz am Ende um das Produkt. Natürlich ist bei der Produktentwicklung der Transfer in die praktische Anwendung eine stramme Herausforderung. Der wichtigste Parameter ist der Erfolg unserer Kunden.

Dafür hat Rittal beim neuen VX25 alle Register gezogen. Zuerst liefen Feldstudien bei Steuerungs- und Schaltanlagenbauern rund um den Globus. Was bedeuten die Ergebnisse für Ihre Mitarbeiter in der Entwicklung? Innovation ist ein Knochenjob. Darüber muss man sich im Klaren sein. Dafür braucht es neben der Kompetenz der Mitarbeiter, Neugier auf Neues und den entsprechenden Kapazitäten – vor allem Mut, Entschlossenheit, Struktur und den festen Willen zum Erfolg.

Inwiefern Mut? Wir brauchen Mut zur Offenheit. Was heute noch innovativ ist, ist in der Regel morgen schon überholt. Mit Tunnelblick, Ich-Perspektive und zu eingefahrenen Strukturen kommt man da nicht weiter. Etablierte Denkmuster oder das Königswissen im Betrieb muss in regelmäßigen Abständen mit großer Beharrlichkeit  hinterfragt werden.

Bleiben noch Entschlossenheit und Struktur. Nehmen wir Industrie 4.0. Wir müssen solche Megatrends als Marktführer so treffsicher antizipieren und so konsequent im Produkt umsetzen, dass unsere Lösungen für uns und unsere Kunden Zukunftssicherheit bieten. Das schafft dann für alle einen echten Mehrwert.

Der Fortschrittsgedanke ist zentraler Baustein der Rittal DNA. Jeder, der Neuland betritt, muss sich aber auf Unwägbarkeiten einstellen, oder? Jede Produktneuentwicklung birgt Chancen und Risiken. Wer sich aber gegen das sinnvolle Neue sperrt und auf Erfolgen ausruht, geht ein viel zu hohes, unternehmerisches Risiko ein. Das gilt für unsere Kunden wie für uns. Liegt dem F & E-Prozess eine solide Analyse und Arbeitsstruktur zugrunde, lassen sich auch die Risiken und die Entwicklungszeiträume minimieren.

Die „kreative Ecke“ alter Tage hat demnach ausgedient? Natürlich nicht. Wir verfügen über Mitarbeiter mit außergewöhnlichen Kenntnissen und Fähigkeiten. Bei der Entwicklung des VX25 hat sich wieder gezeigt, dass unser Know-how aus mehreren Jahrzehnten Entwicklung und Produktion im Schaltschrankbau Gold wert ist. Lebenslanges Lernen ist kein leeres Schlagwort, sondern die Lösung. Der neue VX25 ist ein blendendes Beispiel dafür. Wir haben für die Prozessaufnahme und -analyse beim Kunden auf wissenschaftlich fundierte Methoden gesetzt, externe Querdenker ins Team geholt und uns bei ganz anderen Branchen umgeschaut – eine wichtige Basis für Innovationen. Das Ergebnis ist pure Inspiration.

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