Text Birgit Hagelschuer, Gerald Scheffels ––– Fotografie
Vierzehn Meter Servoleitung oder 14,50 Meter, Verlegung oberhalb oder unterhalb des Förderbandantriebs? Solche Fragen muss sich das Montagepersonal der Hahn Automation Group in Rheinböllen nicht stellen. Ein Blick auf die Eplan-Zeichnung auf dem Tablet, und der Verlegeweg ist klar und einheitlich vorgegeben.
Im Schaltschrankbau ist dieser Prozess gang und gäbe. Die Hahn Automation Group nutzt ihn aber auch außerhalb des Schaltschranks – genauer gesagt: zwischen Schaltschrank und Maschine, bei der Leitungsverlegung ihrer komplexen und hoch automatisierten Anlagen. Jede Anlage, die für die Montage zum Beispiel von Kfz-Sitzen und -Bedienelementen oder von Herzschrittmachern gebaut wird, ist ein Unikat. Die Montage solcher jeweils einzigartigen Anlagen lässt den Werkern viele Freiheiten. Diese Freiheiten – so das Ziel der Verantwortlichen der Hahn Automation Group – sollten dort eingeschränkt werden, wo sie zu Fehlern und Mehrkosten führen können.
Eben das war hin und wieder bei der Leitungsverlegung der Fall. Dirk Scherer, Head of Electrical Design: „Bei jeder Anlage verlegen wir eine große Anzahl an Leitungen, darunter auch teure Servoleitungen. Wenn deren Längen nur geschätzt werden, gibt es entweder viel Verschnitt, oder es ist auch mal eine Leitung zu kurz. Und die Verlegewege sind beliebig und unter Umständen nicht optimal. Das wollten wir vereinheitlichen, auch im Erscheinungsbild, und effizienter gestalten.“
| ENGINEERING: DURCHGÄNGIG GEPLANT
Unabhängig von der Größe der Anlage und der Zielbranche: Im Elektro-Engineering setzen die Konstrukteure Eplan seit rund fünfzehn Jahren ein. Dirk Scherer, Head of Electrical Design: „Wir erstellen die Schaltpläne mit Eplan Electric P8 und geben die so erzeugten Geräte- und I/O-Listen an den Einkauf und die Fertigung aus.“ Seit gut zwei Jahren planen die Elektroingenieure auch mit Eplan Pro Panel: „Das beschleunigt nicht nur den Schaltschrankbau, es erhöht auch dessen Qualität – schon allein aufgrund der Visualisierung in 3D.“
BETA-TEST MIT PRAXISBEZUG
Da traf es sich, dass man bei Eplan gerade ohnehin die Markteinführung eines neuen Werkzeugs für eben diese Aufgabe plante: Cable proD. Dieses CAD-Tool verlegt virtuell Leitungen im Feld und ermittelt dabei – auf Basis des Schaltplans und von MCAD-Daten – selbsttätig sowohl die erforderliche Leitungslänge als auch den Verlegeweg. Die exakten Längen werden zurück ins Eplan Projekt gegeben. Die Hahn Automation Group vereinbarte mit Eplan die Erprobung von Cable proD am konkreten Beispiel einer Anlage zur automatisierten Herstellung von Kfz-Komponenten mit einer Zykluszeit von 41 Sekunden. 18 Arbeitsstationen müssen hier mit Energie und Signalen versorgt werden, und weil es sich teilweise um sehr komplexe Arbeitsschritte handelt – etwa Kaltschrumpfen mit Stickstoff –, waren rund 300 Sensor-, 50 Strom- und 11 Servoleitungen zu verlegen.
ERGEBNIS: „FIRST TIME RIGHT“
Das Ergebnis des Tests war aus Sicht der Hahn Automation Group durchweg überzeugend. Dirk Scherer: „Die Leitungen werden gebündelt und durch Kabelkanäle in 3D geroutet. Das System ermittelt zuverlässig die Kabellängen, man muss also weder vorher messen noch nachher korrigieren. Und das Personal kann fehlerfrei und zügig arbeiten, weil die Leitungswege im Viewer angezeigt werden.“ Ein weiterer Vorteil: Dass die teuren Servoleitungen jetzt ohne Verschnitt gefertigt werden, spart Kosten und Kupfer sowie CO₂ -Emissionen.
PLUS FÜR DEN SERVICE
Nach dem erfolgreichen Test steht fest: Die Hahn Automation Group wird Eplan Cable proD zuerst in Rheinböllen nutzen, später auch an anderen Standorten. Dafür spricht auch, dass das automatisierte Kabelrouting perspektivisch zum eingeschlagenen Weg in die Zukunft des Anlagen- und Schaltschrankbaus passt. Dirk Scherer: „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir Schaltpläne künftig nicht mehr zeichnen, sondern konfigurieren.“
Dafür hat die Hahn Automation Group bereits umfassende Vorarbeiten geleistet – etwa mit dem Erstellen von Makro- und Basisprojekten sowie mit einer Artikeldatenbank, die auf dem Eplan Data Portal aufbaut und intensiv gepflegt wird. Das Ergebnis: „Strom- und Klimatisierungsbedarf können wir heute schon automatisiert erstellen. So werden wir noch effizienter und können uns stärker auf innovatives Konstruieren fokussieren.“