Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Rittal liefert Infrastruktur für E-Mobilität
Innovation – Verkehrstechnik

Schnell Strom tanken

Gehäusetechnik. Elektro­mobilität erlangt immer mehr Attraktivität. Nicht zuletzt durch eine sich stetig verbessernde Ladeinfrastruktur. Von der Stromerzeugung bis hin zur Ladestation unterstützt Rittal den gesamten Weg der Wertschöpfung.

Text Sophie Bruns ––– Fotografie

Wenn Michaela Schneider von der Arbeit kommt, steht schon die nächste Aufgabe auf ihrer To-do-Liste: einkaufen fürs Wochenende. Ihr bleibt noch knapp eine halbe Stunde Zeit, bevor sie ihre Kinder von der Schule abholen muss. Im Hessen-Center in Frankfurt angekommen stellt sie ihr Elektroauto im Parkhaus ab, schließt es an eine 50-­Kilowatt-Ladesäule an, überprüft ihre Einkaufsliste und macht sich auf den Weg. In dieser halben Stunde stockt nicht nur Michaela ihre Essensvorräte auf – auch das Auto füllt seine Stromreserven und ist anschließend wieder für die nächsten 100 Kilometer bereit.

 
 
 
 
 
 

Beste Performance der Ladesäulen

Über die Ladesäule können Elektroautos aufgeladen werden; ähnlich dem Tankstellenprinzip. Das Auto wird einfach an der Ladesäule geparkt. Rittal bietet Gehäuselösungen für diese Säulen: entweder als Standardgehäuse für Industrieanwendungen oder im kundenspezifischen Design. Besonders geeignet sind doppelwandige Gehäuse, die den Stoßfestigkeitsanforderungen für öffentliche Schnellladesäulen entsprechen und darüber hinaus widerstandsfähig ausgelegt werden können.

Elektronik unter einem Dach

Die Leistungselektronik- und Steuerungsmodule bieten die Versorgung für mehrere Ladepunkte und müssen daher gut geschützt werden. In einer sicheren Umhausung können verschiedene Klimakonzepte und Aufbauten durch Trennwände, 19-Zoll-Einbaurahmen sowie Montageplatten realisiert werden.

Energie gespeichert

Ein Container für alles: Um eine vollständige Energiespeicherinfrastruktur abzubilden, bietet Rittal von Racks zur Batterieaufnahme bis hin zur notwendigen Klimatisierung vormontierte Container. Eine Lösung ist beispielsweise der VX25: Er bietet einen schnellen Austausch der Batterien und eine hohe Belastbarkeit bis zu 1.400 Kilogramm.

Ein zweites Leben für Autobatterien

Wenn die Leistungsdichte nachlässt und die Elektrofahrzeuge nicht mehr ausreichend versorgt werden, können die Batterien anderweitig verwendet werden und zum Beispiel als alternative Versorgung der Ladestationen dienen. Die Batterien werden hierzu je nach Anwendungsfall in einem Indoor- oder Outdoorgehäuse untergebracht. Das Klimatisierungskonzept wird entsprechend der C-Rate ausgelegt, die erheblichen Einfluss auf die Abwärme der Batterien hat. Die C-Rate bezeichnet den auf die Nennkapazität des Akkus in Amperestunden bezogenen Lade- oder Entladestrom.

Umgespannt mit Trafocontainern

An der Umspannstation wird der Strom aus dem Mittelspannungsnetz in die von Niederspannungsnetzen genutzte elektrische Spannung transformiert.

Von Anfang an mit Strom versorgt

Sonne und Wind als regenerative Energiequellen werden seit Jahren immer beliebter. Neben Solar- und Windenergie können auch fossile Energiequellen wie Braunkohle und Erdgas in der Elektromobilität genutzt werden. Rittal liefert komplette Systemlösungen und Steuerschränke für Windkraftanlagen sowie Generatoranschlusskästen am Solarpanel.

„Unsere Mission ist es, der E-Mobilität den Weg von der Nische in den Mainstream zu bahnen“, erläutert Thorsten Nicklaß, Geschäftsführer der von Volkswagen neu gegründeten Tochtergesellschaft Elli (Electric Life). Konkret bedeutet das: Anwender wie Michaela Schneider können künftig immer häufiger ihr Auto dort aufladen, wo sie arbeiten, einkaufen und wohnen. „Elektromobilität fordert uns dazu auf, das Tankverhalten zu ändern und selbstverständlich in den Alltag zu integrieren“, weiß Johannes Gimbel, Vertical Market Manager ­Automotive bei Rittal.

„Die Rittal Outdoorgehäuselösungen entsprechen den höchsten Anforderungen und tragen zur Standardisierung der Infrastruktur bei. Deswegen sind auch Kunden auf uns aufmerksam geworden“


Johannes Gimbel
Vertical Market Manager bei Rittal

Spätestens seit dem Dieselskandal, den Fahrverboten in Innenstädten und den verschärften CO2-Vorgaben der Europäischen Union für Neuwagen setzt sich die Automobilbranche intensiv mit dem Thema auseinander. Auch wenn Elektromobilität bei hundertprozentiger Verwendung von erneuerbaren Energien derzeit im Straßenverkehr die am weitesten entwickelte klimafreundliche Antriebsart ist, besteht nach wie vor die R.I.P.-Problematik: Reichweite, Infrastruktur, Preis. Für die Infrastruktur gibt es seit einigen Jahren eine weitere Lösung: Wer lange Strecken in Deutschland zurücklegt, kann mittlerweile neben den 50-Kilowatt-Ladestationen problemlos über Schnellladestationen binnen weniger Minuten an Autobahnraststätten Strom tanken.

„Die Rittal Outdoorgehäuselösungen entsprechen den höchsten Anforderungen und tragen zur Standardisierung der Infrastruktur bei. Deswegen sind auch Kunden auf uns aufmerksam geworden“, sagt Gimbel. Einer der ersten Kunden von Rittal im Bereich Elektromobilität war Enercon. Der Anbieter von Ladestationen nahm 2018 die erste 350-Kilowatt-Schnellladestation in Betrieb. „Für unsere neuen E-Charger 600 brauchten wir zuverlässige Gehäusetechnik“, unterstreicht Dr. Frank Mayer, Projektleiter der Schnellladestation bei Enercon. „Da Rittal schon zuvor Erfahrung und Know-how in der Gehäusekonstruktion und gleichzeitig in der Energiebranche vorweisen konnte, war das genau die richtige Entscheidung für uns.“

Ganz schön grün Schnellladestationen von Enercon werden mit regenerativen Energien versorgt. Dabei setzt der Hersteller von Windenergieanlagen auf die Gehäuse von Rittal.

Gut geschützt

„Rittal betreut den kompletten Wertschöpfungsweg von der Stromerzeugung bis hin zur Klimatisierung der Ladestation. Wir können auf unser Know-how aus anderen ­Bereichen wie der Telekommunikation zurückgreifen. Das Zentrum des Rittal Baukastensystems ist immer der stabile Rahmen“, so Gimbel. Ein maßgeblicher Qualitätsfaktor bei den Outdoorgehäusen: der Zugangs- und Personenschutz. Außerdem erfordern wechselnde Wetterbedingungen neben der Kühlung bei Hitze eine konstante Wärmeverteilung. Doch nicht nur Wind und Wetter nehmen Einfluss auf die Beschaffenheit einer Schnellladestation.

„Bei draußen stehenden Gehäusen muss der Einbruchsschutz gewährleistet sein, genauso wie ausreichende Klimatisierung der Leistungselektronik“, betont Gimbel. Bei Schnellladern der neuesten Generation ist es notwendig, die Stromkabel selbst mit Flüssigkeit zu kühlen. Doch Rittal kann nicht nur ein bestehendes Sortiment vorweisen. Derzeit werden weitere Konzepte erarbeitet. „Wir möchten gemeinsam mit dem Kunden die Nutzung von Second-Life-Batterien ausbauen und die entsprechenden Gehäuselösungen liefern. Das Potenzial alter Autobatterien kann für eine alternative Stromversorgung genutzt werden“, kündigt Gimbel an. Der Ausbau solcher Versorgungsstationen könnte eine weitere Lösung der R.I.P-Problematik sein. Für Anwender wie Michaela Schneider eine weitere Möglichkeit, überall Strom zu tanken.

  • „E-Mobilität für alle“

    „E-Mobilität für alle“

    David Finn gründete Tritium in Queensland, Australien. Für Ionity, eines der größten europäischen Ladenetz­werke, expandiert das Unternehmen nach Europa.

    Schnellladestationen. Besitzer von Elektrofahrzeugen kommen um Ionity-Ladestationen mittlerweile kaum mehr herum. Das größte Schnellladenetzwerk Europas setzt dabei auf die Stationen des australischen Anbieters Tritium – und damit auch auf integrierte Technologie von Rittal. Warum sich spätestens jetzt das Vertrauen in E-Mobilität lohnt, erklärt Tritium-Gründer und -CEO David Finn.

    Interview: Sophie Bruns


    Mr. Finn, seit 20 Jahren besteht Ihr Unternehmen Tritium. Was war Ihre Motivation, sich selbstständig zu machen? Eigentlich wollte ich das gar nicht, es ist einfach passiert. Damals war ich an der Universität Queensland, wo wir leistungselektronische Systeme und Anwendungen mit Energie aus Batterien versorgt haben. Nach einiger Zeit haben wir dann das Potenzial von Schnellladestationen entdeckt und angefangen, unser Know-how auf diesem Gebiet auszuweiten.

    Dadurch ist Tritium eine der am schnellsten wachsenden Firmen Australiens geworden … was vom Start-up bis hin zu einem der fünf größten Lieferanten im E-Mobility-Markt ein spannender Weg für uns war. Seit zwei Jahren unterstützt uns auch die Regierung von Queensland finanziell, damit wir weiter wachsen können. Am Anfang gab es in Australien nicht viele Elek­trofahrzeuge und die Entwicklung war sehr schleppend. Das war auch ein Grund, warum wir nach Europa expandiert haben – dort war die Entwicklung schneller.

    Ein Leitidee von Tritium heißt „energy freedom“. Wass bedeutet das konkret? Das hat eine doppelte Bedeutung. Erst mal geht es darum, den Strom jederzeit und problemlos in das Auto zu bekommen – und das kostengünstig. Und es bedeutet, dass die Menschen ihre Verhaltensweise nicht ändern müssen, um der Umwelt Gutes zu tun. Elektromobilität wird für den breiten Massenmarkt zugänglich. Außerdem können die Menschen ihr Haus damit ausrüsten und damit auch unabhängig machen.

    Steigert das auch die Attraktivität von Elektromobilität? Auf jeden Fall. Wenn es mehr Ladestationen gibt, steigt auch das Vertrauen in E-Mobilität. Denn neben dem Preis eines solchen Autos spielt die Reichweite ja eine entscheidende Rolle. Können Autos lange mit einer Stromladung fahren und gibt es ausreichend Ladestationen, spricht nichts mehr gegen Elektrofahrzeuge. Unser Ziel ist es, dass künftig jeder in der Öffentlichkeit, auf der Arbeit oder zu Hause ganz einfach den Wagen laden kann.

    Wie unterstützt Rittal Sie bei diesem Vorhaben? Als wir angefangen haben, für einen Auftrag von Ionity zu produzieren, brauchten wir einen Anbieter für Schaltschränke. Eines der wichtigsten Kriterien war dabei die schnelle Verfügbarkeit, da wir unseren Großauftrag ebenfalls schnell liefern wollten. Der andere ausschlaggebende Punkt war der Service und die Erreichbarkeit von Rittal. Das hat uns überzeugt.

    Sie haben nicht nur nach Deutschland expandiert, sondern sind im vergangenen Jahr auch „Queensland Exporter of the Year geworden“. Wie sehen denn Ihre nächsten Pläne für Tritium aus? Ein spannendes Projekt wird das neue Headquarter in Amsterdam sein. Im Grunde genommen möchten wir aber so weitermachen wie bisher: Von Jahr zu Jahr sind wir gewachsen und haben weltweit expandiert. So kann und soll es auch in der Zukunft mit der Infrastruktur weitergehen.

     

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