GEFÄHRLICHE SORGLOSIGKEIT
Sie fragen, wie das? Folgen Sie mir ein wenig: In der Finanzkrise öffneten die Zentralbanken die Geldschleusen, um eine globale Wirtschaftskrise zu verhindern. Das war richtig, hatte aber auch Konsequenzen: Die Wirtschaft lief jahrelang auf Hochtouren, besonders in Europa und Deutschland. Wir gewöhnten uns daran und glaubten, alles ginge so weiter. Die üblichen zyklisch bedingten Abschwungphasen blieben weitestgehend aus. Eine ganze Generation erlebte keine wirkliche Krise. Fachkräfte wurden knapp, vielen sozialpolitischen Forderungen wurde oft zu schnell nachgegeben. All das führte zu einer Sorglosigkeit, in der sich die Prioritäten verschoben. Erarbeitete Erfolge und Leistungen aus der Vergangenheit wurden immer mehr als gegeben angenommen, Ansprüche für die Zukunft daraus abgeleitet.
Dann kam Corona. Wir waren besorgt und lernten, dass Regierungen mit viel Geld Arbeitsplätze sicherten und schwankende Unternehmen auffingen. Die unverkennbaren Vorteile von Homeoffice wurden zum Synonym für persönliche Optimierung – bis dann die Firmen ihre Mitarbeiter wieder in die Büros holten. Begriffe wie Leistung und persönliche Verantwortung wurden verpönt. Regulierungswut und Bürokratisierung nahmen überhand. Und heute? Viele schauen „belämmert“ und merken, dass es so nicht weitergeht. Sie rufen nach der Politik: „Macht etwas!“, und hoffen, selbst nichts tun zu müssen. Besser wäre es, wenn sich möglichst alle dies zurufen und Innovationen sowohl in der Politik als auch in den Unternehmen gefunden würden.
Wenn wir alle bereit sind, Bürokratie nicht mehr ungefragt hinzunehmen, Leistung wieder mehr wertzuschätzen, Freude an neuen Ideen zu haben, auch wieder mehr zu arbeiten, lieb gewonnene Bequemlichkeiten zu hinterfragen und dem gesunden Menschenverstand Raum zu geben – dann sind Lösungen möglich.
EINE ANDERE MENTALITÄT ALS „GAMECHANGER“
Es ist eine Frage der Einstellung, ob wir die Wende zum Besseren schaffen. Deutschland hat nach wie vor beste Voraussetzungen, sich wieder nach vorne zu arbeiten: gute Ausbildung, Universitäten, dynamischer Mittelstand, Rechtssicherheit und mehr. Der Gedanke eines geeinten, starken Europas ist unverändert richtig, vielleicht heute mehr denn je. Es lohnt sich, den Kompass neu auszurichten und alles zu tun, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Wenn möglichst viele an einem Strang ziehen, wird sich schnell etwas bewegen. Es ist an der Zeit, die Komfortzone zu verlassen, bevor sie dauerhaft unkomfortabel wird. Wir sollten es artikulieren, wo immer wir die Möglichkeit haben. Erst ein verändertes Bewusstsein, neudeutsch „Mindset“, schafft die Voraussetzung für Veränderung.