Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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SIDE
Praxis

„Wir sind hochgradig wettbewerbs-fähig“

Wenn Judit Birosta die Werkshallen betritt, erwachen selbst Schaltschränke zum Leben. Was die charismatische Spanierin mit SIDE auf den Weg bringt, lässt aufhorchen: Die digitale Transformation ist hier längst angekommen. Als Spezialist für industrielle Automatisierung vereint das Unternehmen mediterrane Leidenschaft und deutsche Präzision. Und trägt so frischen Wind in den gesamten europäischen Anlagenbau.


Text Hans Robert Koch ––– Fotografie

DIGITALE TRANSFORMATION

Wie schafft ein Familienunternehmen mit viel Tradition den Sprung nach vorne?

Wir treffen die Geschäftsführerin gut gelaunt in L’Ametlla del Vallès, rund 40 Kilometer von Barcelona entfernt, und begleiten sie auf einem Rundgang durch den Schaltanlagenbau ihrer Firma. Judit Birosta kennt ihre Angestellten. Sie bleibt stehen, begrüßt mit Handschlag, nimmt sich Zeit, kommt schnell ins Gespräch, fragt nach, hört zu, lässt sich etwas zeigen. Und schenkt ein Lächeln. Das steckt an. Schnell wird klar: SIDE ist anders, ganz anders. Ein spanisches Familienunternehmen mit einem besonderen Spirit. Und erfolgreich dazu. Die Geschäftsentwicklung der SIDE Automation Division kennt in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben. Judit Birosta hat das Unternehmen von ihrem Vater übernommen und weiter nach vorne gebracht. Die über 50-jährige Unternehmensgeschichte beeindruckt. Angefangen hat SIDE als kleiner Elektronikplatinen-Hersteller und Betrieb für Elektroinstallation. Heute ist das Unternehmen Spezialist für Automatisierungstechnik und Steuerungsanlagenbau – mit den hohen Standards eines europäischen Ingenieurbüros.

Mit rund 120 Angestellten bedient SIDE Kunden in der Lebensmittel-, Chemie-, Pharma-, Wasseraufbereitungs- und Mineralverarbeitungsindustrie – und realisiert globale Industrieprojekte in Europa, Amerika und Asien. Der Bau von Maschinen für thermoplastische Kunststoffe (PET) ergänzt als zweites Standbein das Geschäft. Stolz erzählt Judit Birosta: „Wir entwickeln uns ständig weiter und sind in den letzten Jahren enorm gewachsen!“ Die Zahlen sprechen für sich: „Im Jahr 2009 betrug unser Umsatz 2,5 Millionen Euro, 2014 waren es 3,2 – und 2023 haben wir die 10-Millionen-Euro-Marke überschritten“, so die Firmenchefin.

BEGINN EINER NEUEN ÄRA

Hier ist vieles in Bewegung. Gerade werden wieder neue Räumlichkeiten geschaffen. Im ersten Stock entsteht ein noch größeres Ingenieurbüro. 2009 tat SIDE den ersten Schritt in Richtung digitales Engineering. Das war der Grundstein. „Diese Entscheidung markierte den Beginn einer neuen Ära“, erklärt Judit Birosta. Treiber der Transformation waren die wachsende Arbeitsbelastung und die steigenden technischen Anforderungen von Kunden. „Wir mussten etwa die Rückverfolgbarkeit sicherstellen und Fehler reduzieren.“ Mit der bisherigen Arbeitsweise und den bestehenden Prozessen ließ sich das Geschäft nicht weiterentwickeln. Wachstum? Nahezu ausgeschlossen! „Wir arbeiteten mit manuellen Prozessen und 2D-Tools, standen vor ständigen Engpässen und verloren Zeit durch sich oft wiederholende Aufgaben“, erzählt sie rückblickend.

LEISTUNG VERDOPPELT

Heute sei das Unternehmen „hochgradig wettbewerbsfähig“ und erfülle internationale Standards. „Durch die Digitalisierung konnten wir unsere Leistung mit dem gleichen Team verdoppeln, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen.“ Doch der Druck bleibt sehr hoch. Die größte Herausforderung besteht derzeit darin, das hohe Qualitäts- und Präzisionsniveau weiter aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Produktivität zu steigern. Für die Firmenchefin steht fest: „Wir konzentrieren uns auf die Optimierung von Prozessen, die Verkürzung von Vorlaufzeiten und die Verbesserung der Gesamtkosten, um auf europäischer Ebene wettbewerbsfähig zu sein.“

Wissen, was läuft: Geschäftsführerin Judit Birosta im Gespräch mit ihrem Mitarbeiter Antonio Martín im Schaltanlagenbau.

ECHTE TECHNOLOGIEPARTNER

Dass SIDE heute in der Champions League des Anlagenbaus mitspielen kann, verdankt sich der frühen Entscheidung, die eigenen Wertschöpfungsprozesse komplett neu zu denken – und diese in Zusammenarbeit mit Eplan und Rittal zu digitalisieren, automatisieren und standardisieren. „Wir haben den gesamten Arbeitsablauf vom Entwurf bis zur Montage analysiert und die Engineering-Software Eplan Electric P8 für die Schaltplanerstellung sowie Eplan Pro Panel für die 3D-Konstruktion des Schaltschranks eingeführt“, erzählt Carles Taberné, Technischer Direktor. Mit Rittal und Rittal Automation Systems wurde dann das Produktionssystem und die digitale Integration weiterentwickelt.

Die automatisierte Schaltschrank-Bearbeitung von Rittal Schaltschränken erfolgt heute mit dem Perforex Milling Terminal MT S, der Zuschnitt von Kabelkanälen mit dem Zuschnittcenter Secarex und die vollautomatisierte Drahtkonfektionierung mit dem Wire Terminal WT C. Carles Taberné: „Eplan und Rittal sind echte Technologiepartner für uns. Sie haben uns dabei geholfen, Arbeitsabläufe neu zu definieren, unsere Mitarbeiter zu schulen und die Digitalisierung durch eine kontinuierliche, technische Zusammenarbeit nachhaltig zu gestalten.“

MESSBARE MEHRWERTE

Und die Effizienzgewinne dieser gemeinsamen Entwicklung sind beachtlich. „Wir haben die Ingenieursstunden um bis zu 30 Prozent und die Bearbeitungszeit um 80 Prozent – also von einem Tag auf etwa 20 Minuten – reduziert“, freut sich Carles Taberné. Der Erfolgsfaktor liegt für ihn in der Kohärenz der Lösungen: „Eplan und Rittal bieten ein integriertes Ökosystem, das Engineering, Fertigung und Dokumentation miteinander integriert.“ Da SIDE anhand verifizierter Daten arbeitet und keine manuelle Nacharbeit mehr nötig ist, seien Fehler praktisch verschwunden und die Produktivität mit dem gleichen Team gestiegen. Hier ist man überzeugt, alles richtig gemacht zu haben. Gern denkt Carles Taberné an den Anfang zurück: „Der erste vollständig digitalisierte Schaltschrank, den wir fertigten, war auf Anhieb perfekt – das bestätigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren.“

 

FACHKRÄFTE FÜR MORGEN

Um weiterhin erfolgreich zu sein, muss das Unternehmen auch in Talente investieren. Eine der größten Herausforderungen: ausgebildete, technische Fachkräfte zu finden. „Daher konzentrieren wir uns darauf, sie selbst auszubilden“, erklärt Judit Birosta. Das Unternehmen arbeitet eng mit Berufsbildungszentren und Universitäten zusammen und investiert viel in die Ausbildung von Praktikanten. Ziel ist es, technische Fachkräfte innerhalb des Unternehmens weiterzuentwickeln. „Die Digitalisierung ist entscheidend, aber echter Erfolg hängt von jedem einzelnen Menschen, von Engagement und Arbeitsweise ab.“ Und von einer guten, familiären Atmosphäre. Wie bei SIDE.

Auf Expansion: In den letzten Jahren hat SIDE die Kapazitäten seiner Fertigung im katalanischen Nordosten Spaniens deutlich erweitert.

  • „EPLAN UND RITTAL SIND PARTNER FÜR TECHNOLOGIE UND WISSEN.“

    „EPLAN UND RITTAL SIND PARTNER FÜR TECHNOLOGIE UND WISSEN.“

    CARLES TABERNÉ
    Technischer Direktor, SIDE

    Herr Taberné, was zeichnet SIDE als Anlagenbauer aus?

    SIDE ist ein spanisches Ingenieurunternehmen mit europäischer Denkweise. Von Barcelona aus können wir das gleiche technische Niveau wie jeder mitteleuropäische Lieferant bieten – aber mit mehr Flexibilität und einem sehr wettbewerbsfähigen Preis-Leistungs-Verhältnis.

    Wie stellen Sie diese Wettbewerbsfähigkeit sicher?

    Unsere Prozesse sind hochgradig digitalisiert – vom Engineering bis zur Endkontrolle. Dank durchgängiger und standardisierter Prozesse können wir Arbeitszeiten reduzieren und zugleich eine hohe Qualität gewährleisten. Was wir entwerfen, wird genau so hergestellt. Das bringt Präzision, Geschwindigkeit und Rückverfolgbarkeit.

    Gelten in Spanien eigene Anforderungen im Anlagenbau?

    Wir verwenden dieselben Standards wie in Deutschland. Wir arbeiten gemäß IEC/EN 61439 und 60204-1 und verfügen über CE-, UL- und CSA-Zertifizierungen. So können wir in ganz Europa, den USA und Kanada tätig sein. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit Technologiepartnern in Europa weiter auszubauen.

    Welche Rolle spielen die Lösungen von Eplan und Rittal in ihrer Arbeit?

    Früher arbeiteten wir mit sequentiellen, personenabhängigen Prozessen. Mit Lösungen von Eplan und Rittal ist jetzt alles integriert. Der Informationsfluss ist einheitlich und konsistent. Dadurch gewinnen wir an Effizienz und Präzision. Unsere Kunden erhalten somit sichere Produkte, bessere Dokumentationen und pünktliche Lieferungen. Eplan und Rittal sind für uns mehr als Lieferanten – sie sind Partner in Sachen Technologie und Wissen.

     

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