Text Daniel Giebel ––– Fotografie
Herr Kramer, was ist die Idee hinter dem Wire Handling System?
In vielen Werkstätten wird bereits das Rittal Wire Terminal WT genutzt, um Drähte automatisiert zu konfektionieren. Doch meist müssen diese Drähte dann manuell verteilt werden – ein zeitintensiver Schritt mit Fehlerpotenzial. Hier setzt das neue Wire Handling System (WHS) an: Es transportiert die fertig konfektionierten Drähte automatisch per Druckluft zu mehreren entfernten Arbeitsplätzen. Das stellt den nächsten logischen Schritt in Richtung durchgängiger Automatisierung im Steuerungsbau dar.
Wie funktioniert die Draht-Verteilung konkret?
Die Drähte werden „on demand“ oder vorab in Sequenz produziert, je nachdem wie der Prozess geplant ist. Das Besondere: Sie können direkt an bis zu vier Arbeitsstationen über eine Distanz von bis zu 80 Metern versendet werden. Am Ziel erkennt eine Sensorik den Draht, bremst ihn ab und stellt ihn zur Verarbeitung bereit, und das präzise, sicher – und exakt dann, wenn er gebraucht wird.
Woher bezieht das System die Information, welcher Draht wohin gehört?
Das basiert auf der digitalen Planung mit Eplan. Viele unserer Kunden arbeiten bereits mit Eplan Pro Panel. Die dort definierten Daten – also Querschnitt, Farbe, Länge oder Zielkomponente eines Drahts – werden ins Wire Terminal übernommen. Daraus ergibt sich eine intelligente Drahtliste, die vom Assistenzsystem Eplan Smart Wiring genutzt wird, um durch den Verdrahtungsprozess zu führen. So weiß das System stets, welcher Draht gerade wo gebraucht wird.
Das klingt nach hoher Prozesssicherheit?
Absolut. Der große Vorteil liegt in der durchgängigen Datenkette: Jeder Draht ist digital definiert, produziert und verfolgbar. Manuelle Fehler werden so weitestgehend ausgeschlossen. Und da das System direkt mit der Produktion verknüpft ist, können auch mehrere Projekte parallel laufen, ohne Datenkonflikte oder Engpässe. Das Wire Terminal ist so programmiert, dass es Aufträge priorisieren kann, etwa wenn ein Draht direkt vom Arbeitsplatz angefordert wird.
Ein echtes Upgrade gibt es auch bei der Konfektionierzeit – was hat sich da getan?
Ja, das ist ein wichtiger Punkt. Mit dem neuesten Software- und Technologiestand kommt unser Wire Terminal jetzt auf eine Konfektionierzeit von nur noch rund acht Sekunden pro Draht – vorher waren es etwa 13,8 Sekunden. Diese nahezu verdoppelte Geschwindigkeit zahlt sich besonders in Serienfertigungen und bei größeren Projekten aus.
Wieviel Automatisierung ist heute im Steuerungsbau schon Realität – und wie viel noch Vision?
Ich würde sagen: Mit Lösungen wie dem Wire Terminal, dem WHS und der Eplan Plattform sind wir mittendrin. Viele Kunden befinden sich genau in diesem Transformationsprozess – weg von manuellen Abläufen, hin zu digital vernetzten Workflows. Das WHS ist ein entscheidender Baustein, um die Lücke zwischen automatisierter Fertigung und effizientem Shopfloor zu schließen.
Was bedeutet das für Kunden ganz konkret?
Weniger Laufwege, weniger Suchzeiten, weniger Fehler. Aber vor allem: ein durchgängiger, nachvollziehbarer und skalierbarer Prozess. Das WHS bringt die Drähte genau dorthin, wo sie gebraucht werden, ohne Umwege. Und es passt sich flexibel an die Produktionsrealität vor Ort an, ob in der Einzelverdrahtung oder in der Serienfertigung.