Herr Groebler, welche Überzeugung steht hinter der konsequenten Transformation der Salzgitter AG zu grünem Stahl?
Die EU und Deutschland haben sich anspruchsvolle Klimaziele gesetzt. Deshalb wird mittelfristig die Herstellung von grauem Stahl hier ökonomisch nicht mehr sinnvoll sein, und die europäischen Stahlerzeuger sind gehalten, ihre Produktionsprozesse wegen der steigenden CO 2 -Kostenbelastung rechtzeitig zu dekarbonisieren. Mit unserem SALCOS-Programm blicken wir technologisch nach vorne und sind ein Vorreiter dieser Entwicklung.
Welche Faktoren stimmen Sie zuversichtlich, dass sich ein tragfähiger Markt für CO2-reduzierten Stahl entwickeln wird?
Wir sehen bereits heute eine konkrete Nachfrage nach grünem Stahl, die sich in Mengensicherungsvereinbarungen zwischen uns und zahlreichen unserer Kunden ausdrückt. Für die meisten unserer Kunden ist der Stahlverbrauch die einfachste Möglichkeit, substanziell CO 2 einzusparen. In einer Übergangsphase braucht es aber politische Begleitung, um die Mehrkosten der bereits in Betrieb gehenden neuen Anlagen abzufedern und ihre Wettbewerbsfähigkeit in den Anfangsjahren zu gewährleisten. Dazu gehören der Aufbau grüner Leitmärkte sowie einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur. Genauso wichtig sind wettbewerbsfähige Energiepreise und ein wirksamer Schutz vor unfairem Wettbewerb.
Welche Rolle spielen Partnerschaften für den wirtschaftlichen Erfolg und die Skalierung des Projekts?
Für die Umsetzung von SALCOS ® braucht es selbstverständlich gute Partner. Die industrielle Dekarbonisierung kann kein Unternehmen allein stemmen, weil sie systemischer Veränderungen bedarf – von neuen Infrastrukturen über technologische Durchbrüche bis hin zu veränderten Lieferketten. Partnerschaften wie mit Stahlo ermöglichen in diesem Prozess die Bündelung unterschiedlicher Kompetenzen und die koordinierte Entwicklung der notwendigen Ökosysteme entlang der gesamten Lieferkette.