Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Partnerschaft Salzgitter AG und Stahlo
Innovation – Stahlo

Green Steel:
Wie geht es weiter?

Salzgitter ist derzeit ein Hotspot der Stahlindustrie. Weltweit gilt der gleichnamige Konzern mit seinem Programm SALCOS ® als beispielhaft für die Umstellung auf Green Steel. Trotz aller Diskussionen um die Branche: Die Salzgitter AG zieht es durch. Bis Mitte der 2030er-Jahre soll die Produktion nahezu emissionsfrei sein. Für den Zugang zu Green Steel sorgt Stahlo.

Text Markus Huneke ––– Fotografie

„Wir sind Vermittler von Vertrauen in die Lieferketten.“


OLIVER SONST, CEO Stahlo

Gut ein Viertel des gesamten Werksgeländes nimmt der Bau der nachhaltigen Produktionsanlagen ein, ein Areal so groß wie 210 Fußballfelder. Parallel werden eine Direktreduktionsanlage, ein Elektrolichtbogenofen und eine Elektrolyse zur Wasserstofferzeugung errichtet. Rund 2,5 Mrd. € investieren die Salzgitter AG, das Land Niedersachsen und der Bund in das Projekt SALCOS ® (Salzgitter Low CO 2 Steelmaking). Ab 2027 sollen grüne Stähle für die Kunden verfügbar sein.

Auch wenn das Thema Nachhaltigkeit aktuell in den Hintergrund gerutscht zu sein scheint – über die Notwendigkeit zur Reduktion von Treibhausgasen herrscht unter Expertinnen und Experten weitgehend Einigkeit. CO2 -Bepreisung und regulatorische Instrumente treiben die Transformation voran. Langsam beginnen die Märkte, sich auf grünen Stahl einzustellen.

Prognosen sprechen für Green Steel

Grüne Güten sind derzeit zwar noch teurer als konventionelle Stähle. Auf längere Sicht sprechen die Marktprognosen jedoch klar für Green Steel. Auch wenn die Prognosen teils noch unscharf sind, gehen sie durchweg von hohen Wachstumsraten in den nächsten Jahren aus. So sieht das Beratungsunternehmen Deloitte einen Marktanteil von etwa 20 % in der EU bis 2030, etwa 12 bis 13 Mio. Tonnen pro Jahr. Zentrale Ankerbranchen haben die ersten Schritte bereits gemacht. Führende Automobilhersteller haben sich für den Einsatz von grünem Stahl in ihren Fahrzeugen ausgesprochen und entsprechende Verträge sowie Vereinbarungen mit Produzenten geschlossen, unter anderem BMW, Mercedes-Benz, Volkswagen und Volvo.

Stahlo, ein Markt-Enabler

Die Umstellung der Primärproduktion allein garantiert allerdings noch keinen Markterfolg. Um grüne Güten für breite Kundensegmente zugänglich zu machen, braucht es die richtigen Partner. Stahlo hat sich ebenso wie die Salzgitter AG früh zum Green-Steel-Pfad bekannt. „Als familiengeführte Unternehmensgruppe sind wir bei der Friedhelm Loh Group von Green Steel und dem Weg der Salzgitter AG überzeugt. Aus dieser Überzeugung heraus haben wir uns bei SALCOS ® engagiert“, sagt Oliver Sonst, CEO von Stahlo.

Das Stahl-Service-Center hat seine Lieferfähigkeit durch den Aufbau eines internationalen Green-Steel-Netzwerks mit den Werken früh abgesichert: „Wir können jegliche Kundenbedarfe abdecken, egal ob physisch grüner Stahl nachgefragt oder ein bilanzielles Verfahren verwendet wird“, erklärt Oliver Sonst. „Wenn Kunden heute mit Green Steel starten möchten, können wir liefern – vom physischen Produkt bis hin zu verwertbaren Informationen über Emissionen, etwa für das Scope-3-Reporting oder die CBAM-Regulatorik“, führt Oliver Sonst aus. Stahlo ist damit nicht nur Werkstofflieferant, sondern zugleich Vermittler von Information, Vertrauen und Planungssicherheit.

Um grünen Stahl tatsächlich liefern zu können, braucht das Stahl-Service-Center verlässliche Partner. „Die Salzgitter AG ist für uns hierbei ein idealer Partner. Die regionale Nähe, die klare Überzeugung, mit der die Transformation umgesetzt wird, sowie die baldige Verfügbarkeit CO2 -reduzierter Mengen sprechen für unsere Partnerschaft mit der Salzgitter AG“, erklärt Oliver Sonst.

  • 3 FRAGEN AN

    3 FRAGEN AN

    GUNNAR GROEBLER
    Vorstandsvorsitzender, Salzgitter AG

    „WIR SEHEN BEREITS HEUTE EINE KONKRETE NACHFRAGE NACH GRÜNEM STAHL.“

    Herr Groebler, welche Überzeugung steht hinter der konsequenten Transformation der Salzgitter AG zu grünem Stahl?

    Die EU und Deutschland haben sich anspruchsvolle Klimaziele gesetzt. Deshalb wird mittelfristig die Herstellung von grauem Stahl hier ökonomisch nicht mehr sinnvoll sein, und die europäischen Stahlerzeuger sind gehalten, ihre Produktionsprozesse wegen der steigenden CO 2 -Kostenbelastung rechtzeitig zu dekarbonisieren. Mit unserem SALCOS-Programm blicken wir technologisch nach vorne und sind ein Vorreiter dieser Entwicklung.

    Welche Faktoren stimmen Sie zuversichtlich, dass sich ein tragfähiger Markt für CO2-reduzierten Stahl entwickeln wird?

    Wir sehen bereits heute eine konkrete Nachfrage nach grünem Stahl, die sich in Mengensicherungsvereinbarungen zwischen uns und zahlreichen unserer Kunden ausdrückt. Für die meisten unserer Kunden ist der Stahlverbrauch die einfachste Möglichkeit, substanziell CO 2 einzusparen. In einer Übergangsphase braucht es aber politische Begleitung, um die Mehrkosten der bereits in Betrieb gehenden neuen Anlagen abzufedern und ihre Wettbewerbsfähigkeit in den Anfangsjahren zu gewährleisten. Dazu gehören der Aufbau grüner Leitmärkte sowie einer leistungsfähigen Wasserstoffinfrastruktur. Genauso wichtig sind wettbewerbsfähige Energiepreise und ein wirksamer Schutz vor unfairem Wettbewerb.

    Welche Rolle spielen Partnerschaften für den wirtschaftlichen Erfolg und die Skalierung des Projekts?

    Für die Umsetzung von SALCOS ® braucht es selbstverständlich gute Partner. Die industrielle Dekarbonisierung kann kein Unternehmen allein stemmen, weil sie systemischer Veränderungen bedarf – von neuen Infrastrukturen über technologische Durchbrüche bis hin zu veränderten Lieferketten. Partnerschaften wie mit Stahlo ermöglichen in diesem Prozess die Bündelung unterschiedlicher Kompetenzen und die koordinierte Entwicklung der notwendigen Ökosysteme entlang der gesamten Lieferkette.

     

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