Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Weltklasse-Industrie trifft Top-Uni
Innovation

Vom Campus in die Praxis

Der Anlagenbau in den USA steht vor einem Automatisierungs-Schub. Zur Ausbildung der dringend benötigten Fachkräfte arbeitet die renommierte Purdue University mit Industriepartnern aus Deutschland zusammen: Angehende Elektro-Ingenieure werden mit Software von Eplan sowie Hardware und Automation von Rittal fit für ihren Einsatz.

Text Ulrich Sendler ––– Fotografie

STARKE PARTNER

Wie wir dem Fachkräftemangel in der Industrie richtig begegnen.

Reshoring ist das neue Schlagwort: „Die US-Regierung tut alles, um die Fertigung wieder ins Land zurückzuholen. Das braucht Ingenieure, und genau diese gestalten die Zukunft“, sagt Michael Jeschke, Vice President North & South America bei Eplan, „aber der Fachkräftemangel an Elektro-Ingenieuren ist in den USA noch stärker ausgeprägt als anderswo.“ Um mehr Produktivität zu ermöglichen, müssen sich Industrieunternehmen neu erfinden und technologisch transformieren, also ihre Wertschöpfungsprozesse digitalisieren und automatisieren. Doch das geht nur mit Fachkräften. Darüber hinaus bieten die gängigen Arbeitsweisen der vorhandenen Fachkräfte noch viele Möglichkeiten zur Automatisierung: Schaltanlagen, weiß Michael Jeschke, werden zum Beispiel meist noch mit Hilfe von 2D-CAD-Zeichnungen entworfen – und nicht datengetrieben, wie dies bereits in vielen Industrieunternehmen weltweit Standard ist.

DER DRUCK IST GROSS

Der Bedarf an jungen Talenten in den USA ist riesig. An die 400.000 Ingenieure werden dort laut Boston Consulting Group (BCG) bis 2030 gesucht – pro Jahr. Am dringendsten benötigt werden Elektro-Ingenieure (BCG Studie 12/23). Während der Arbeitsmarkt in den USA bis 2034 um 3 % wachsen soll, erwartet das US-Büro für Arbeitsstatistik (BLS) für den Bereich der Elektro-Ingenieure mehr als das Doppelte, nämlich 7 % (BLS vom 12.11.2025). Einer der Gründe sind die staatlichen Investitionen der letzten Jahre durch den Infrastructure Investment and Jobs Act (IIJA) von 2021. Neben dem Verkehrsnetz wuchs etwa in der Wasserwirtschaft der Bedarf sprunghaft.

SPITZENUNI: POTENZIAL ERKANNT

Die Purdue Unversity hat die entsprechenden Weichen gestellt. Das Institut hat sich seit seiner Gründung zum Ziel gesetzt, Studierende so praxisnah auszubilden, dass sie die Industrie gleich nach dem Abschluss voranbringen. Die Partnerschaft mit Eplan und Rittal soll den zukünftigen Elektro-Ingenieuren und -Ingenieurinnen ermöglichen, dafür den kräftigen Hebel der datengetriebenen Automatisierung einzusetzen. Es geht um eine zunächst auf fünf Jahre angelegte Zusammenarbeit.

Die Purdue gilt als eine der hochrangigsten US-Hochschulen, wenn es um die Ausbildung der technischen Elite geht. Sie wurde 1869 in Lafayette, Indiana, gegründet und rangiert heute laut dem forschungsorientierten Interdisciplinary Science Ranking 2026 des britischen Magazins „Times Higher Education“ unter den öffentlichen Einrichtungen weltweit auf Platz 10 und in den USA auf Platz 3.

Jeff Kilburn, Vice President Business Solutions bei Eplan in den USA, ist selbst Absolvent der Purdue. Den Paradigmenwechsel vom technischen Zeichnen zum Computer Aided Design (CAD) hat er einst aktiv erlebt. Jetzt ist er stolz, den nächsten großen Schritt mitzugestalten – hin zum datengetriebenen Electrical Engineering.

AN DER VORDERSTEN FRONT

„Das ist es, was Purdue antreibt“, sagt Jeff Kilburn. „Sie wollen immer an der vordersten Front der Technologieentwicklung stehen. Sie wissen, dass Eplan genau das bietet. Deshalb suchen sie den Schulterschluss.“ Denn mit Eplan ist das Engineering nicht zeichnungs-, sondern logikbasiert. Die Daten eines Schaltplans lassen sich beispielsweise in Stücklisten ausleiten und dienen als Basis für das 3D-Layout in Eplan Pro Panel. So entsteht ein vollständiger digitaler Zwilling des jeweiligen Schaltschranks. Daraus lassen sich mit Maschinen von Rittal Automation Systems automatisiert Ausbrüche und Bohrungen vornehmen. Auch die Drahtkonfektionierung lässt sich damit automatisieren. Genau dieser durchgängige Prozess wird nun an der Purdue gelehrt.

Die formelle Unterzeichnung der Partnerschaft zwischen Purdue, Eplan und Rittal fand am 20. November 2025 auf der Rockwell Automation Fair in Chicago statt. Dort versammelt Rockwell Automation als US-Marktführer in der Automatisierung jedes Jahr rund 11.000 Kunden und seine Partner aus dem umfangreichen Händlernetz. Auch Eplan und Rittal waren mit einem eigenen Stand vertreten, sowie rund 100 Studierende der Purdue. Das wirft ein Licht auf die enge Partnerschaft, die Purdue seit Jahrzehnten auch mit Rockwell Automation pflegt. Und wie die Amerikaner haben nun auch Eplan und Rittal je einen Vertreter im Beirat des Dekanats der Hochschule.

Bei der Unterzeichnung (vordere Reihe, v. l. n. r.): Sebastian Seitz, CEO Eplan, Dr. Daniel Castro, Dekan der Purdue Polytechnic, und Jochen Trautmann, CEO Rittal Automation Systems

DIE PURDUE UNIVERSITY

Die Purdue University ist nicht nur weltweit bekannt als „Wiege“ von fast 20 NASA-Astronauten, angefangen bei Neil Armstrong. Das Purdue Polytechnic Institute gilt als Vorreiter für die Ausbildung in den sogenannten STEMBereichen (Science, Technology, Engineering, Mathematics – im Deutschen vergleichbar mit den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik). Vor allem in den US-Staaten Ohio, Michigan und Indiana denkt man beim Stichwort „STEM“ sofort an die Uni in West Lafayette.

DIE PARTNERSCHAFT MIT RITTAL & EPLAN

• Purdue Polytechnic wird strategischer Forschungspartner im Rittal und Eplan Partner Network

• Einrichtung eines „Eplan Electrical Engineering Technology Projects Lab“ in der „Dudley Hall“ der Purdue Polytechnic

• Errichtung eines „Rittal Automation Systems Labs“

• Beträchtliche Anzahl von Lizenzen für Purdue Polytechnic an Eplan Software, zunächst von Eplan Electric P8 und Eplan Pro Panel

• Wire Terminal WT von Rittal zum Lernen vollautomatisierter Drahtkonfektionierung

• Wire Handling System WHS zum automatischen Transport der Drähte zum Arbeitsplatz in einem anderen Raum

Die Purdue University erfüllt mit ihrer praxisnahen Ausbildung in den sogenannten STEM-Fächern eine echte Vorbildfunktion für viele andere Universitäten.

DAS ZIEL: CHANGE AGENTS

Das Institut hat hohe Ansprüche an die Partnerschaft. Die Studierenden sollen während ihrer Ausbildung und in Forschungsprojekten nicht nur die Technologien beherrschen lernen, die Smart Manufacturing möglich machen. „Sie sollen tun, was sie lernen – und lernen, was sie später tun“, sagt der Dekan der Purdue Polytechnic, Dr. Daniel Castro. „Wir orientieren uns dabei stark an der deutschen Ingenieursausbildung etwa in Fachhochschulen, nicht nur mit der Organisierung von Kooperationen und Praktika in Industrieunternehmen. Genau die Fachkräfte, die wir so ausbilden, werden dringend gebraucht. Durch die Integration der Weltklasse-Lösungen von Rittal und Eplan in unseren Lehrplan gehen wir weit über die Theorie hinaus. Die Studierenden entwickeln so Fähigkeiten und Kenntnisse, um eine Vorreiterrolle einzunehmen.“

Dozent Grant P. Richards ergänzt: „Das Ziel unserer Programme ist die Ausbildung von Change Agents, welche die Industrie vom ersten Tag nach dem Studium an dabei unterstützen, die neuesten Technologien erfolgreich einzusetzen. Auf Messen und Veranstaltungen der Industrie haben wir in den letzten Jahren festgestellt, dass dazu vor allem die Fähigkeit von Eplan gehört, Daten aus verschiedenen Systemen zu einem einheitlichen Modell zusammenzuführen, das dann mit Maschinen von Rittal Automation Systems automatisiert verarbeitet werden kann.“

Aus einigen hundert E/E-Studenten, die Purdue Polytechnic derzeit im Elektro-Engineering ausbildet, sollen sehr rasch über tausend werden. Dazu will Purdue auch die Beteiligung am Ivy Tech Community College of Indiana nutzen, eine öffentliche Einrichtung, in der jährlich mehr als 100.000 Studierende an 40 Orten Zugang zu Technikwissen erhalten. Purdue will ihnen Kenntnisse vermitteln, die sie in der Industrie den Unterschied machen lassen, und das vom ersten Tag an. Ganz nach dem Motto des Polytechnikums: „Industry Ready, Day One“.

 

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