Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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SchulePlus
Miteinander – Engagement

Wie eine Idee zur Bewegung wird

SchulePlus wächst vom regionalen Piloten zum hessenweiten Netzwerk. Unternehmen, Schulen und Politik ziehen an einem Strang für das Ziel, Berufsorientierung praktischer zu machen und Ausbildung zu stärken. Was jetzt konkret passiert.

Text Sarah Benscheidt ––– Fotografie

THEORIE TRIFFT PRAXIS

SchulePlus bietet mit echten Einblicken neue Chancen bei der Berufswahl.

Zukunft beginnt im Kopf. Zum Beispiel in dem von Alexander Schüler. Als Lehrer an der Haigerer Johann-Textor-Schule und mutig anpackender Pragmatiker entwickelte er aus einem Missstand ein neues Projekt – das jetzt mächtig Schule macht.

Schüler hatte der massive Rückgang an Azubis in der mittelhessischen Region Kopfzerbrechen bereitet. So blieben etwa 2024/25 in Hessen knapp 2.900 Berufsausbildungsstellen unbesetzt. Daraufhin ging er mit seinen Schülern ins Gespräch, hörte zu, forschte nach. Viele, erzählt er in der Rückschau, hätten Angst gehabt vor falschen Entscheidungen, aber auch vor den unbekannten, neuen Situationen, die in den Betrieben auf sie warteten. Der Schlüssel? Eine Berufsorientierung, die sich näher an den jungen Menschen bewegt, die praktischer und nahbarer ist.

Das war die Geburtsstunde von SchulePlus. Die Idee: schulische Wahlpflichtkurse wie CAD mit regelmäßigen Praxiseinsätzen im Betrieb kombinieren. Das Ergebnis: echte Orientierung und – wenn es für beide Seiten stimmt – ein direkter Übergang in die Ausbildung. Kooperationspartner in der Region waren für das Konzept schnell gefunden. Darunter als einer der ersten: Rittal und die Friedhelm Loh Group. Aus dem Einzelprojekt ist längst eine Initiative geworden, eine Bewegung, die das Bildungssystem verändern und Lücken in der (Berufs-) Ausbildung schließen will.

Enge Kooperation: SchulePlus-Initiator Alexander Schüler (l.) und Tobias Sohn, Ausbildungsleiter technische Berufe bei der Friedhelm Loh Group.

Mit ihrer Unterschrift erklären sie die Absicht, SchulePlus auf das nächste Level zu heben (v. l.): Sebastian Hoffmanns (Kreishandwerkerschaft Lahn-Dill), Andreas Cunz (IHK Lahn-Dill), Prof. Friedhelm Loh, Umut Sönmez (Staatssekretär im Wirtschaftsministerium), Armin Schwarz (Kultusminister), Carsten Braun (Landrat LDK) und Sascha Drechsel (Hessische Unternehmerverbände).

Vom Handwerk bis zur Pflege

Schülerinnen und Schüler können so über zwei Jahre hinweg parallel zur Schule Berufe in der Praxis testen – das SchulePlus-Netzwerk reicht inzwischen von Handwerk und Industrie bis zu Pflege und Verwaltung. Der Twist: Nicht nur die Schülerinnen und Schüler kommen während dieser Zeit in die Betriebe, sondern auch die Betriebe gewissermaßen in den Unterricht. Sie stellen sogenannte Azubi-Mentoren ab, die während der Wahlpflichtkurse mit unterrichten und ihre Erfahrungen teilen. Im Falle von Rittal ist das zum Beispiel Tom Weinert, Mechatroniker im 3. Lehrjahr, der damals selbst am Programm teilgenommen und über SchulePlus seinen Ausbildungsplatz gefunden hat. Heute gibt er sein Wissen weiter.

Warum das Prinzip so gut wirkt? „Frühe, druckfreie Praxis senkt Unsicherheit – und erhöht Passgenauigkeit“, sagt Daniel Wirth, Ausbildungsleiter bei der Friedhelm Loh Group und Mitgestalter des Konzeptes. „Wer während SchulePlus merkt, dass ein Beruf nicht passt, wechselt rechtzeitig, statt später in der Probezeit abzubrechen. Gleichzeitig gewinnen Unternehmen motivierte Nachwuchskräfte, die Betrieb, Team und Aufgaben bereits kennen.“

In der Praxis gibt es Wechsel bisher übrigens kaum. Bereits beim Pilotprojekt traten neun von zehn Teilnehmenden im Anschluss eine Ausbildung in dem Unternehmen an, das sie sich ursprünglich ausgesucht hatten. „Hinter jedem SchulePlus-Platz steht ein realer Ausbildungsplatz“, so Wirth.

Vom Pilotprojekt zum Vorbild

Was 2021 als Pilot in Haiger begann, wurde schnell erfolgreich. So sehr, dass das hessenweit einzigartige Projekt dort nun strukturell verankert werden soll. Beschlossen wurde das Ende 2025 mit einer Absichtserklärung durch hochrangige Unterzeichner aus Wirtschaft, Politik und Bildung – darunter Landrat Carsten Braun, Kultusminister Armin Schwarz sowie Unternehmer Prof. Friedhelm Loh. Eine bereichsübergreifende Gruppe arbeitet derzeit an der Skalierung des Programms für den Extra-Schub, beim Landrat wurde ein SchulePlus-Büro eingerichtet, gleichzeitig rückt die Vereinsgründung der unterstützenden Unternehmen – nach StudiumPlus-Vorbild – näher. „Mit dem Wachstum steigt die Verantwortung. Wir wollen einheitliche Qualitätsstandards sicherstellen, und dass Schulen und Unternehmen das Modell ambitioniert und verlässlich umsetzen können“, sagt Daniel Wirth.

Im Lahn-Dill-Kreis ist das nach der Pilotphase bereits geglückt – etwa bei der Goldbachschule in Frohnhausen. Jetzt soll nach den erfolgreichen Mittelstufen-Modellen bald das erste Gymnasium – das Johanneum in Herborn – in das Bildungs-Netzwerk eingebunden werden. Für diese Schulform findet SchulePlus dann in der neunten oder elften Jahrgangsstufe als Orientierungsphase statt, erklärt Daniel Wirth: „So können Gymnasiasten etwa schon vor dem Abitur feste Ausbildungsplätze bekommen oder den Übergang ins duale StudiumPlus praxisnäher planen.“

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— Arbeitswelt
Duales Projekt „SchulePlus“

Morgens Schüler ... mittags Azubi

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Automuseum

Das rollende Klassenzimmer

— Gesellschaft
Debora Foundation

Wir bauen auf Hoffnung