Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Stahlo SteelGate
Innovation

CO2-Tracking für grünen Stahl

Fossilfrei erzeugter Stahl ist auf dem Weg, die Märkte zu verändern. Erste Mengen sind angekündigt, in zwei, drei Jahren soll es auch in der Praxis so weit sein. Doch der Markt ist unübersichtlich, einheitliche Standards, was grüner Stahl ist, gibt es derzeit noch nicht. Mit der Blockchain-Applikation „SteelGate“ bietet Stahlo jetzt eine Möglichkeit, das Vertrauen in das neue Ökosystem „grüner“ Lieferketten zu stärken.

Text Markus Huneke ––– Fotografie

Das Interesse an grünem Stahl ist hoch. Auto­mobil­hersteller und ihre Zulieferer, beides Kunden­branchen von Stahlo, setzen im Zuge der Null-Emissions-Strategie der EU künftig auf grünen Stahl. Nicht erst seit den jüngsten Ankündigungen der Stahl­produzenten, in Sachen fossil­freier Produktion in die Umsetzung zu gehen, erkennt Stahlo ein wachsendes Interesse seiner Kunden an grünem Stahl.

Das Interesse ist dabei auch Ausdruck einer großen Verunsicherung: Es herrscht ein Mangel an zuverlässiger Information. Denn wie Stahlverarbeiter etwa die Automobilindustrie und ihre Zulieferer den CO2-Footprint eines Stahlerzeugnisses valide einschätzen können und wie diese Informationen sicher in den Lieferketten weiterzugeben sind, dafür ist noch keine Lösung in Sicht. „Das ist eine tief greifende Umstellung in den Lieferketten, denn der Markt für fossilfrei erzeugten Stahl ist gerade erst im Entstehen. Entscheidend für das reibungslose Funktionieren dieses neuen Stahl-Ökosystems sind zuverlässige Informationen“, ist Oliver Sonst, Geschäftsführer von Stahlo, überzeugt.

Zwar gibt es mittlerweile ein wachsendes Know-how zu den verschiedenen Ansätzen, CO2-Profile für Stahlerzeugnisse zu erstellen, etwa anhand der verschiedenen Herstellrouten. Als eines der ersten Unternehmen hat Stahlo dieses Know-how in einer eigenen Datenbank gesammelt – und in Form eines Klassifizierungslabels seinen Kunden zur Verfügung gestellt. Doch je größer der Markt für grünen Stahl wird, desto deutlicher tritt der Bedarf auch an Detailinformationen zu den konkreten Stahler­zeugnissen hervor, die Kunden erwerben. Und die müssen vor allem eines sein: zuverlässig.

MANIPULATIONSSCHUTZ ENTLANG DER LIEFERKETTE

Eine Lösung für dieses „Vertrauensproblem“ zeigte das Unternehmen auf der Euroblech 2022. Die Beispiel-Applikation SteelGate veranschaulicht, wie sich ein CO2-Tracking entlang der Stahl-Lieferkette digital, transparent und vor allem sicher realisieren lässt. Zum Einsatz kommt dabei eine Blockchain-Technologie. Die Grundidee dabei ist simpel. Jedem Stahler­zeugnis wird ein konkreter Datensatz zugeordnet. Bei jedem Produktionsschritt wird dieser mit Informationen zu den jeweils angefallenen Emissionen angereichert und mit dem Erzeugnis weitergegeben.

Verwender am Ende der Lieferkette verfügen somit über einen vollständigen Satz an Informationen zum Product Carbon Footprint genau des Stahls, den sie geordert haben. Verkettete Informationen sind auch heute nichts Ungewöhnliches – allerdings bisher weitgehend analog. Sie enthalten zudem keine Daten zu den entstandenen Emissionen, sondern andere Produktions- und Qualitätsdaten – und sind anfällig für mögliche Manipulationen.

  • Was ist eine Blockchain?

    Die Grundidee einer Blockchain ist einfach: Sie besteht im Kern aus miteinander verketteten Datensätzen. Ein Beispiel: Ein Stahlhersteller könnte die Informationen, die er seinen Kunden zu den Stahlerzeugnissen liefert, in einen Blockchain-Datensatz ablegen und mitliefern. Der Käufer erweitert diesen Datensatz mit Informationen zu den eigenen Bearbeitungsprozessen – und gibt ihn wiederum an die eigenen Kunden weiter. So weit, so gewöhnlich.

    Das Besondere einer Blockchain – und überhaupt jeder derartigen Technologie – ist die dank kryptografischer Verfahren hochsichere Verbindung der Datenblöcke miteinander. Sie macht es unmöglich, nachträgliche Änderungen an den Daten vorzunehmen. Station B kann die Informationen von Station A nicht ändern – weder entfernen noch kürzen noch erweitern. Station C hat damit also die Gewissheit, dass die Informationskette korrekt ist.

    Anders als beim herkömmlichen Datenmanagement werden die Daten zudem verteilt gespeichert, es gibt keine zentralen Instanzen. Die Datensätze liegen als parallele und jederzeit miteinander verbundene Kopien allen Teilnehmern eines Netzwerks, zum Beispiel einer Lieferkette, vor. Wird ein Datensatz bei einer Instanz um neue Informationen erweitert, werden alle anderen Datensätze bei allen anderen Teilnehmern mit verändert. Das Herz der Anwendung ist dabei ihre Sicherheit, die die technologische Vertrauensbasis bildet: Es gilt als nahezu unmöglich, die kryptografische Verkettung der Informationsblöcke zu umgehen oder unbemerkt zu verändern.

     

Idee des CO2-Tracking: Jedem Stahlerzeugnis wird ein konkreter Datensatz zugeordnet. Bei jedem Produktionsschritt wird dieser mit Informationen zu den jeweils angefallenen Emissionen angereichert und mit dem Erzeugnis weitergegeben.

WIRKLICH GRÜNER STAHL

Die Blockchain-Technologie ist ein vielversprechender Lösungs­ansatz, das Vertrauen in die Stahl-Lieferkette aufzubauen. Dank hochsicherer krypto­grafischer Verfahren sichert sie die Informations­ketten gegen unerlaubte Eingriffe und Manipulationen ab: Würde ein Daten­satz einer einzelnen Instanz unerlaubt geändert, beispielsweise indem die bisher ange­fallenen Emissionen reduziert würden, würden das alle anderen verteilten Daten­sätze aufgrund der krypto­grafischen Verknüpfung automatisch registrieren.

Die eingesetzte Krypto-Technologie ist jedoch nicht entscheidend, wie Oliver Sonst erläutert: „Entscheidend ist dabei nicht die Daten­technologie, sondern die Transparenz und das Vertrauen in die Liefer­kette, zuver­lässige Informationen zu konkreten grünen Stahl­er­zeugnissen zu erhalten.“ Sonst betont: „Als werks­un­abhängiges Stahl-Service-Center sind wir in einer idealen Position, dieses Bedürfnis nach zuver­lässiger Information zu bedienen.“

Mit SteelGate zeigt Stahlo, wie alle Dateneingaben vollständig bis zu ihrer ursprünglichen Quelle rückverfolgbar sind. Name des Autors, Daten und Zeitpunkt der Eingabe sind immer transparent. Das Ergebnis: Grüner Stahl bleibt über alle Verarbeitungsprozesse als wirklich grüner Stahl – d.h. als fossilfrei erzeugter Stahl – erkennbar.

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