Das Magazin der Friedhelm Loh Group

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Digitalisierung verändert das berufliche Lernen
Miteinander – Arbeitswelt

Ausbildung in der Industrie 4.0

Lernfabrik 4.0. Digitale Abläufe sind im privaten Alltag längst angekommen. Im Berufsleben dürften für manch einen Stichworte wie „vernetzte Prozesse“ und „digitale Workflows“ immer noch fremd klingen. Wie funktionieren Hightechmaschinen in Zeiten von Industrie 4.0?

Text Katharina Weber ––– Fotografie

Marc Weitzel schaut sich interessiert die Steuerung für die Lernfabrik an. „Bisher hatte ich noch nicht mit dieser Anlage zu tun“, sagt der angehende Mechatroniker und studiert weiter das Bedienelement: „Aber wenn ich mich ein wenig damit beschäftigen würde, dann käme ich damit zurecht.“

Im dritten Lehrjahr zum Mechatroniker ist er froh darüber, dass die Digitalisierung, die ihm täglich begegnet, an seiner Berufsschule eingezogen ist. Denn eines ist klar, so der 24-Jährige: „Der IT-Bereich wird immer größer, und der Kontakt damit wird immer häufiger. Es wird von uns erwartet, dass wir damit umgehen können und die Aufgaben beherrschen.“

NEUE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE AUSBILDUNG

Industrie 4.0 stellt also neue Anforderungen nicht nur an die Mitarbeiter, sondern auch an die Auszubildenden und an die Schulen. Dabei geht es um Fachkräfte, Kompetenz und Wettbewerb. Um auf dem internationalen Parkett vorne mitzuspielen, muss die kommende Fachkräftegeneration die Zukunftsstandards beherrschen.

Lernfabriken 4.0 sind dafür ein wichtiger Baustein, gerade an den berufsbildenden Schulen, an denen die Mitarbeiter der Zukunft unterrichtet werden. Es gilt, für alle die gleichen Standards und Möglichkeiten zu schaffen. „Bisher sind nicht alle mit der neuen Technik und der Steuerung in Berührung gekommen“, schildert Weitzel: „Nun haben alle diese Möglichkeit.“ Inhalte werden geschult und gelehrt, die in der Praxis in Lehrwerkstätten und Betrieben bisher nicht oder noch nicht vermittelt werden konnten.

Als Marc Weitzel die Anlage mit einer leichten Berührung auf dem Touchscreen in Gang setzt, lässt sich erahnen, was in der Maschine steckt: Hightech. Hier können praktisch alle Prozesse einer Industrie-4.0-Produktion abgebildet und durchgespielt werden. So zum Beispiel auch die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation.

Der automatisierte Datenaustausch zwischen Maschinen funktioniert ganz ohne menschlichen Auslöser. „Durch die CP Factory wird Industrie 4.0 begreifbar durch das Zusammenspiel und die Kommunikation von Mensch, Maschine und Daten“, erläutert Matthias Hecker, Leiter der gewerblich-technischen Ausbildung in der Friedhelm Loh Group, wie die Lernfabrik funktioniert.

DIGITALE PROZESSE LERNEN

Industrie 4.0 bedeutet auch, jungen Menschen eine gute Zukunft anzubieten, national wie international. Die Smart Factory an der Berufsschule öffnet Auszubildenden den Weg hin zu bestens vorbereiteten Fachkräften in der digitalisierten Industrie auf internationaler Ebene. „Ich werde ganz bestimmt bessere Berufschancen haben, wenn ich meine Ausbildung an einer solchen Anlage absolviert habe“, ist sich Marc Weitzel sicher, dass die Smart Factory seine Zukunft ebnet: „Wenn ich mich mit dieser Anlage auskenne, kann ich das Erlernte auch überall auf der Welt anwenden. Einzig die Sprache ist dann anders, aber auch die kann man lernen.“

Weitzel, der im Juni seine Abschlussprüfung absolviert, sieht der Zukunft positiv entgegen. Kein Wunder: Industrie-4.0-affine Projekte sind beispielsweise in China höchst willkommen. Im Industriepark in Huai’an ist seit März 2018 eine Lernfabrik nach deutschem Vorbild und unter der Regie des Instituts für Automatisierung und Industrie Technologie (IAIT) Hannover und der Partnerschaft mit dem Fraunhofer-Institut IOSB-INA in Lemgo in Betrieb. Auf der Informationsplattform Produktion – Technik und Wirtschaft für die deutsche Industrie (www.produktion.de) heißt es dazu, dass der Industriepark für einen „idealen Brückenschlag beider Nationen“ wirke.

Insbesondere das duale Ausbildungssystem in Deutschland setzt weltweit Maßstäbe. Die Vernetzung von Theorie und Praxis während der Ausbildung junger Menschen gilt als Vorbild und Vorteil, bei dem die neuen Anforderungen für Industrie 4.0 einfließen. Laut OWC-Verlag für Außenwirtschaft GmbH soll Industrie 4.0 Leitfaden für die chinesische „Made in China 2025“-Strategie sein. Bis 2020 sollen 15 Lernfabriken wie in Huai’an entstehen. 40 sollen es bis zum Jahr 2025 sein, heißt es auf der Verlags-Website (www.owc.de).

Mit der Lernfabrik in Dillenburg ist also in der Region mitten in Hessen ein großer Sprung in der Ausbildung wie auch im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte nach vorne gelungen. Alle Prozesse einer Industrie-4.0-Produktion können abgebildet und durchgespielt werden. Durch die von Prof. Dr. Friedhelm Loh, Inhaber und Vorstandsvorsitzender der Friedhelm Loh Group, finanzierte Smart Factory steigt die Schule in der kleinen Stadt am Fluss Dill somit in die Zukunft im internationalen Wettbewerb ein, um die Fachkräfte fit zu halten.

Bei allen Metall- und Elektroberufen wird die Digitalisierung 4.0 bald Standard sein, da ist sich Matthias Hecker sicher. Für Mittelhessen sieht er die beruflichen Schulen in Dillenburg als das Kompetenzzentrum für Industrie 4.0. „Das müssen wir nutzen für die Menschen und die Region“, unterstreicht er die Bedeutung der Smart Factory.

Industrie 4.0 bedeutet neben intelligenten Prozessen, dass „interdisziplinäre Teams mehr zusammenarbeiten“, sagt    Hecker. Seine Prognose: Verschiedene Berufe müssen künftig Hand in Hand vorgehen, um ein Produkt herzustellen. Die Grenzen der Berufe verschieben sich, werden durchlässiger – der Mechatroniker braucht den ITler und umgekehrt beispielsweise, damit die Produktionsanlagen eines Unternehmens laufen. Alles andere, vom Eingang des Kundenauftrags bis zum Versand des fertigen Produkts, übernimmt wiederum die Hightech-Maschine.

MIT ERFAHRUNG IN DIE ZUKUNFT

„Das Prozesswissen ist wichtig. Unternehmen fordern dies heutzutage von jungen Menschen“, ergänzt Burkhard Schneider, der an den Gewerblichen Schulen Dillenburg die Abteilung leitet, der die industriellen Metallberufe und das Kompetenzzentrum Industrie 4.0 der Schule zugeordnet sind.

Seit die Lernfabrik 4.0 im September 2018 in die Schule eingezogen sei, hätten er und seine Kollegen viel gelernt. In der neuen Arbeitswelt der Zukunft wird jeder Arbeitsplatz mit einem Bildschirm ausgestattet sein. Softwaregesteuerte und intelligente Produktionsprozesse sind die Basis der Industrie 4.0. Diesen Herausforderungen gilt es, gewachsen zu sein, gerade auch im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb.

Im Kampf um Fachkräfte wird die Ausbildung für Industrie 4.0 eine zunehmend große Rolle einnehmen. In der Berufsschule in Dillenburg ist der Unterricht den Anforderungen der Berufswelt der Zukunft angepasst. In die Rahmenlehrpläne sind digitale Inhalte eingeflossen und Industrie 4.0 findet sich im Unterricht wieder.

So geht lernen 4.0

Aktuell arbeitet die Gruppe „Technik für Kaufleute“ an der Erzeugnisstruktur. Daraus leiten die Schüler unterschiedliche Produktvarianten ab. Ziel ist es, dass die Schüler für ihre Variante einen Arbeitsplan und somit einen Produktionsauftrag für die Lernfabrik programmieren sowie die dafür notwendigen Lagerverwaltungs- und Betriebsmitteleinsätze konfigurieren. Zum Abschluss soll die Anlage die einzelnen Varianten produzieren.

Kooperationen zwischen Berufsschule und Industrie, wie in Dillenburg, sind ein Pfund, das sich herumgesprochen hat. Andere Berufsschulen in Hessen hätten bereits angeklopft und sich nach der Lernfabrik 4.0 erkundigt, freut sich Schneider über die Resonanz von Kollegen an anderen Bildungseinrichtungen und deren Interesse auch an der eigenen Weiterbildung. Denn sie müssen die Anlagen kennen und beherrschen, um die Schüler daran zu schulen und auszubilden.

In Dillenburg seien die Lehrenden ganz systematisch herangegangen. „Wir müssen voneinander lernen“, wirbt Andreas Franz, Schneiders Stellvertreter, für eine enge Zusammenarbeit der Lehrer und der Facharbeiter untereinander. Das Werk der Zukunft von Rittal in Haiger bietet dafür die idealen Möglichkeiten.

4.0 VERÄNDERT DEN BERUFSALLTAG

Die Erwachsenenweiterbildung für Industrie 4.0 ist auch an den Gewerblichen Schulen Dillenburg in den Blickpunkt gerückt. Industrie 4.0 ist eine Welt, die zunehmend das Arbeiten im Berufsalltag bestimmen wird und deshalb gelernt und begriffen werden muss.

Für Unternehmen fasst es der Ausbildungsleiter der Friedhelm Loh Group, Matthias Hecker, zusammen: „Industrie 4.0 wird nicht nur in der Produktion stattfinden, sondern in allen Bereichen eines Unternehmens.“ Die passenden Seminare, Workshops und Fortbildungen mit dem Schwerpunkt Digitalisierung wurden von der unternehmenseigenen Loh Academy entwickelt.

Mit der Smart Factory an den Berufsschulen werden diese Türen für die Metall- und Elektroberufe weit aufgestoßen. Die hochmoderne Ausstattung trägt dazu bei, dass die duale Schulausbildung an Attraktivität gewinnt und der Nachwuchs für die Region weiter für moderne Technologien qualifiziert wird. Roland Mandler, Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill, bemerkt dazu bei der Einweihung der Lernfabrik 4.0: „Der Unternehmer der Zukunft kann von den Berufsschulen nur profitieren.“

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